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Die Story spielt sechs Monate nach den grauenvollen Ereignissen des ersten Teils. Rachel und ihr Sohn Aidan haben Seattle verlassen um Abstand von dem von Samara tödlich verfluchten Videos zu gewinnen. Doch schon bald ereignen sich auch in ihrem neuen Wohnort, dem kleinen Küstenstädtchen Astoria, schreckliche Dinge. Im Folgenden bekommt ihr jetzt ungekürzt und ausführlich sämtliche Produktionsinformationen: BESETZUNG Rachel Keller: Naomi Watts STAB Regie: Hideo Nakata PRODUKTION
Aufgrund des phänomenalen Welterfolges von „Ringu“ produzierten Walter F. Parkes und Laurie MacDonald eine amerikanische „Ring“-Version, in der Naomi Watts die Hauptrolle spielte. Der absolute Horror des Films bestand darin, dass jeder, der sich das mit einem schrecklichen Fluch belegte Video angesehen hatte, mit tödlicher Sicherheit exakt sieben Tage später starb. Als der Film dann im Frühjahr 2002 in die US-Kinos kam, wurde aus dem anfänglichen „Sleeper“ ein Mega-Hit, der - wie vorher schon ganz Asien - nun Amerika in seinen Bann schlug. Walter F. Parkes, der auch diesmal wieder mit Laurie MacDonald „Ring 2“ produzierte, meint zu diesem Phänomen: „In den letzten Jahren wurde das Horror-Genre ja mehr und mehr eine Domäne für Slasher-Movies. Dabei gab es einmal eine Zeit, da waren Horror-Filme tatsächlich Mainstream in Hollywood und für die besten Regisseure, Autoren und Schauspie-ler von großem Interesse. Erinnern wir uns nur an solche Meisterwerke wie „Der Exorzist“, „Das Omen“ und „Rosemarys Baby“. Mit unserer „Ring“-Version wollten wir das Horror-Genre wieder auf dieses Niveau anheben. Und da zu unserer größten Überraschung der Film so erfolgreich war, wie wir es uns nie hätten träumen lassen, waren wir in der glücklichen Lage, den „Ring“-Mythos weiterführen zu können. Unser Hauptziel bei „Ring 2“ war es, dem ersten Film voll und ganz gerecht zu werden.“ Um das zu erreichen, versammelten Parkes und MacDonald wieder die bewährte Riege, die schon „Ring“ zum Erfolg führten, also den Drehbuchautoren Ehren Kruger, der das Sequel schrieb, sowie drei der ausführenden Produzenten, Mike Macari, Roy Lee und Michele Weisler. Und natürlich am wichtigsten von allen: Naomi Watts als Journalistin Rachel Keller und David Dorfman als ihr Sohn Aidan. „Ich glaube nicht, dass wir den ersten „Ring“ ohne Naomi hätten machen können. Und ganz sicher nicht den zweiten“, stellt Parkes sachlich fest. „Nach einer über zweijährigen Pause las Naomi das Drehbuch und war sofort wieder Rachel Keller, diese leicht ängstliche, aber dann wieder furchtlos-aggressive, und dabei doch so verletzbare, starke Frau. Sie ist wirklich eine Sensation.“ Dazu Watts: „Ein Sequel zu drehen ist eine ziemlich knifflige Angelegenheit, vor allem wenn das Original von den Fans des Genres so gut aufgenommen wurde. Auf der einen Seite wollen wir die Zuschauer natürlich keinesfalls in ihren Erwartungen enttäuschen – ohne uns freilich zu wiederholen. Auf der anderen Seite ist es schon toll, dass ich wieder eine Rolle spielen kann, die mir schon beim ersten Mal sehr viel gegeben hat und bei der ich jetzt die Mögli-chkeit habe, sie weiterzuentwickeln. Es ist also eine große Herausforderung und gleichzeitig auch ein großer Spaß.“ Gore Verbinski, der beim ersten Teil Regie führte und diesmal nicht zur Verfügung stand, schlug als Regisseur für die Fortsetzung keinen anderen als Hideo Nakata selbst vor. MacDonald erinnert sich: „Wir sprangen alle sofort auf diese großartige Idee an, mussten aber feststellen, dass Hideo an einen anderen Film gebunden war und somit nicht in Frage kam. Also entschlossen wir uns, den Film mit einem hochtalentierten Regisseur-Newcomer zu rea-lisieren, was aber leider nicht richtig funktionierte. Da erfuhren wir, dass auch Hideos Film-projekt geplatzt und er plötzlich frei für unser Projekt war. Es schien, als ob das Schicksal es eben doch so gewollt hatte, dass er - und kein anderer - bei „Ring 2“ auf dem Regie-Stuhl sitzen sollte.“
Watts stimmt dem gerne zu: „Hideo ist ein ganz außergewöhnlicher Horrorfilm-Regisseur. Ich kannte sowohl „Ringu“ als auch seinen Film „Dark Water“ und vertraute ihm deshalb voll-kommen. Er versteht nicht nur eine Geschichte in Bildern zu erzählen, sondern hat auch das nötige Timing dafür. Er weiß ganz genau, wie und wann er uns Dinge zeigt und wann es bes-ser ist, dass er sich damit noch etwas Zeit lässt. Dass Hideo Regie führte, machte nicht nur sehr viel Sinn, sondern es war auch so, als ob sich dadurch ein Kreis geschlossen hätte.“ Mit „Ringu“, wie auch seinen anderen Filmen, ist es Nakata auf sehr kunst- und stilvolle Art und Weise gelungen, Schockelemente zu kreieren, die er vor allem in Geschichten einbettet, die von Rache, dem Bösen an sich und von unbeschreiblichem Grauen handeln. Nicht um-sonst fand man Nakata letztes Jahr im Time Magazin auf der Liste der „100 einflussreichsten Personen der Welt“ in der Kategorie „Künstler und Entertainer“, aufgrund seiner stilbildenden Geister-Filme. Auch bei „Ring 2“ finden sich ganz bestimmte Motive aus seinen früheren Werken wieder: Allein lebende Mütter, Waisenkinder, rachsüchtige Geister, Wasser sowie gewisse Auswir-kungen, die technologische Errungenschaften auf die Gesellschaft haben. In Nakatas Oeuvre sind so banale Rituale des Alltagslebens wie zum Beispiel das Klingeln eines Telefons oder das Zudrehen eines Wasserhahns mit nervenaufreibender Spannung aufgeladen. Dadurch wird aus Normalität wahrer Terror. Oder wie es Ehren Kruger sieht: „Das Interessante an den ersten beiden japanischen „Ring“-Filmen war ja, was Hideo da an neuen Ideen und Erfindungen hineingepackt hatte. Auch diesmal hat er wieder viel Neues in das einfließen lassen, was er vor Jahren so einzigartig kre-ierte. Es war tatsächlich so, dass Hideo uns damit überraschte, dass er noch sehr viel mehr von seiner ganz eigenen Mythologie und seiner Sichtweise auf das Übernatürliche einbrachte. Es war ganz eindeutig ein großer Vorteil einen Regisseur zu haben, der die komplexe „Ring“-Thematik so gut wie kein Zweiter kannte. Schon beim ersten Film hatten wir ja versucht – ohne es je für möglich zu halten, dass er selbst einmal einen „Ring“-Film für uns machen würde -, seiner künstlerischen Vision eine Art Reverenz zu erweisen.“ Nakata wiederum legte Wert darauf, dass es Krugers Drehbuch war, das ihn veranlasste wie-der zum „Brunnen des Bösen“ zurückzukehren. „Als ich das Drehbuch zu „Ring 2“ las“, so Nakata, „fand ich es äußerst interessant, dass es sich von meinem Drehbuch zu „Ringu 2“ sehr unterschied. Und genau das gab mir schließlich die Möglichkeit, einer Geschichte auf die Spur zu kommen, die sich sowohl von meinem Original als auch von der US-Version von „Ring“ deutlich abhob.“ „Die große Herausforderung bei einem Sequel ist, dass es sowohl dem ersten Teil standhalten, als auch für sich selbst Bestand haben muss“, meint Kruger. „Und so war es von besonderer Bedeutung, dass wir wieder genügend gute Gründe dafür fanden, die Geschichte von Rachel und ihrem Sohn weiterzuerzählen, die auch plausibel machten, warum der böse Rachegeist ihnen das Leben erneut zur Hölle macht.“ „Zwischen den beiden Filmen gibt es allerdings einen wesentlichen Unterschied“, stellt MacDonald fest. „Bei „Ring“ wurde die Geschichte vor allem in Sinn-Bildern erzählt. Das Video beinhaltete nicht nur die ultimative Todesgefahr, sondern war auch die einzige Spur, die Rachel bei der Entschlüsselung des schrecklichen Geheimnisses einsetzten konnte. Es war also möglich, mittels dieser Bilder - fast wie anhand einer Landkarte - der Filmhandlung zu folgen. Diesmal ist die Geschichte nicht so metaphorisch, sondern basiert mehr auf Emotionen und ist auch viel tiefer in der Psyche der Protagonisten verankert. „Ring 2“ beruft sich zwar auf Aspekte des ersten Teils, weitet diese aber enorm aus.“ DIE AUSWEITUNG DES RINGS
Naomi Watts fügt hinzu: „Nach all dem, was geschehen ist, war Seattle für Rachel und ihren Sohn sicher nicht mehr der richtige Ort. Deshalb sind die beiden weit weg in ein kleines, be-schauliches Städtchen gezogen. Rachel hat sich inzwischen sehr verändert. Sie muss ja schließlich immer noch mit diesem schrecklichen Geheimnis leben - und mit der großen Schuld. Immer wieder fragt sie sich: „Was habe ich getan? Welchen Schaden habe ich mit meiner Tat angerichtet?“ Dadurch ist sie zu einer Person geworden, die sehr isoliert lebt und in Hinblick auf ihren Sohn einen großen Beschützerinstinkt entwickelt hat. Als damals die ganze Geschichte ins Rollen kam, war es leicht, sie nicht gerade für die Beste aller Mütter zu halten. Sie war viel zu ichbezogen und karriereorientiert. Jetzt hingegen ist sie nur für ihr Kind da. Und die Ironie der Geschichte ist, dass sich diese schlechte Mutter in genau den Typ Mutter verwandelt hat, den Samara dringend braucht...“ „Tatsächlich übertreibt sie es bei diesem Film anfangs etwas mit dem Beschützen“, meint Parkes. „Sie weiß natürlich, dass sie allein dafür die Verantwortung trägt, dass sich das Böse so ungehindert in der Welt verbreiten konnte. Und es hat sich verbreitet, wie sie sehr bald feststellen muss. Und diesmal muss sie dem Horror selbst ins Auge blicken – und nicht, wie im vorigen Film, vor ihm davonlaufen oder anderen aufladen.“ Watts stimmt dem voll und ganz zu: „Natürlich weiß sie nur zu gut, dass sie die Einzige ist, die sich dem Horror entgegenstellen kann, denn nur sie weiß, wodurch er in die Welt kam und wie er sich verbreiten konnte. Sie ist, wie wir alle wissen, dabei durch die Hölle gegangen. Und sie wird wieder durch die Hölle gehen müssen, wenn das ganze Unheil sich ein weiteres Mal voll entfaltet.“ „Naomi spielt ihre Rolle mit sehr viel Gefühl“, sagt Nakata. „Als Heldin des Films muss sie sowohl in der Lage sein, Angst und Furcht ausdrücken zu können, als auch genügend Kraft und Stärke zu zeigen, die nötig sind, diesem bösen Geist erneut die Stirn zu bieten. Und ich bin der Meinung, das hat sie perfekt hingekriegt. Sie war immer hoch konzentriert und wirk-lich sehr gut darin, die Gefühle einer Mutter auszudrücken, die ihren Sohn beschützen will und dabei mit sehr unnatürlichen Gefahren konfrontiert wird.“ Rachels sensiblen Sohn Aidan spielt natürlich, wie auch schon im ersten Teil, David Dorfman, der mit Samara auf eine ganz besondere Art und Weise verbunden ist. Und dieser unheilvolle Bund wird im zweiten Teil noch weitaus lebensbedrohlicher.
„Ich stellte mir einfach vor, dass ich gleich ein paar Figuren spielte“, erinnert sich Dorfman. „Ich war nicht nur Aidan, ich war auch Aidan/Samara und Samara/Aidan. Und am Ende des Films bin ich dann tatsächlich voll und ganz Samara.“ Abgesehen von ihrem Sohn Aidan hat Rachel nur noch zu einer Person Kontakt, nämlich zu ihrem Boss Max Rourke. Ihm gehört die Lokalzeitung The Daily Astorian, bei der Rachel jetzt arbeitet. Max hat zwar keinen blassen Schimmer von der Vorgeschichte, wird aber doch zunehmend neugierig und besorgt, als er Rachels Persönlichkeitsveränderung wahrnimmt. Max wird vom australischen Schauspieler Simon Baker gespielt, der frei bekennt, dass er eigentlich kein großer Fan des Horrorgenres ist, sich aber der Faszination von „Ring“ nicht entziehen konnte. „Der erste Film war eine wunderbare Kombination aus Horror-Movie und klassischem Drama. Der Horror war in dem schrecklichen Video begründet und das Drama entstand aus der komplizierten Mutter-Sohn-Beziehung. Das hat mir sehr gut gefallen und war auch der Grund, weshalb ich sehr gerne bei dem Sequel mitmachen wollte. „Max und Rachel sind beide irgendwie Außenseiter, obwohl Max, den ich spiele, dort gebo-ren wurde, dann zwar wegging, aber schließlich doch wieder zurückkehrte“, meint Baker. „Max interessiert sich für Rachel und fragt sich, warum sie so geheimnisvoll tut und so zurüc-kgezogen lebt. Als Rachel ihm schließlich die Hintergründe eröffnet, kann er kaum glauben, was sie ihm da erzählt. Es klingt einfach zu verrückt. Es war gar nicht so einfach da die richti-ge Balance zu halten, nach dem Motto: ‚Okay, meine süße Freundin, du bist zwar komplett durchgeknallt, aber ich beschütze dich trotzdem und werde dir helfen.‘“ Max macht sich die größten Sorgen, als Aidan plötzlich mysteriöse Symptome entwickelt, die von der Ärztin des Astoria Hospital als ziemlich bedenklich eingestuft werden und für die sie Rachel verantwortlich macht. Elizabeth Perkins spielt die Ärztin und Psychologin, Dr. Emma Temple, die äußerst alarmiert ist, als Aidan mit nicht erklärbaren Symptomen einer extremen Unterkühlung ins Krankenhaus eingeliefert wird. Als sich Aidans Zustand noch verschlim-mert, weiß Rachel, dass sie nur eine einzige Chance hat, dem grausamen Spuk ein Ende zu machen. „Samara ist inzwischen viel cleverer geworden, um sich auf Rachels Leben Zugriff zu verschaffen“, meint Naomi Watts. „Als Aidan diese seltsamen Dinge passieren, wird nur allzu klar, dass Samara mit den beiden noch lange nicht fertig ist. Von diesem Zeitpunkt an gilt es, Samaras Beweggründe zu erforschen und zu begreifen, warum sie so aggressiv ist und soviel Leid und Chaos in die Welt bringt. Dazu muss sich Rachel noch einmal den seelischen Abgründen stellen und zu den schrecklichen Ursachen zurückkehren, die das Unglück damals ausgelöst haben.“ MacDonald meint hierzu: „Rachel begreift, dass sie diesmal nicht davonlaufen kann... dass sie sich Samara stellen muss. Das Einzige, was sie unternehmen kann, ist, zum Ursprung von Samaras Unglück zurückzukehren – nur will sie nun nichts über Samaras Adoptivmutter er-fahren, sondern über die leibliche Mutter.“ Rachels Odyssee führt sie in ein Irrenhaus, wo sie auf eine geheimnisvolle Frau mit dem Na-men Evelyn trifft, die das Geheimnis von Samaras wahrer Herkunft kennt. „Als wir das Dreh-buch entwickelten, wussten wir bereits, dass Evelyn eine Schlüsselfigur werden sollte“, sagt MacDonald. „Es ist im Film nur eine einzige Szene, aber eine ungeheuer wichtige – alle Ele-mente der Geschichte fließen in dieser Szene zusammen.“ Die Filmemacher sind überzeugt, bei der Besetzung von Evelyn einen wahren Casting-Coup gelandet zu haben: Sie wird von Oscar-Preisträgerin Sissy Spacek gespielt, die hier seit 1973, also seit ihrer Oscar-nominierten Darstellung der Titelrolle in Brian De Palmas Verfilmung des Stephen King-Romans „Carrie- Des Satans jüngste Tochter “, zum ersten Mal wieder in einem Horror-Film zu sehen ist. Parkes erinnert sich: „Als Sissys Name fiel, meinten alle im Raum: ‚Ob das wohl möglich wäre?‘ – denn sie ist ja nicht nur eine Oscar-preisgekrönte Schauspielerin, sondern leistet für Horror-Fans auch mit der klassischen Verbindung zu „Car-rie – Des Satans jüngste Tochter“ einen großen Beitrag. Aber Sissy ist eine sehr seriöse Künstlerin, und sie war einfach wunderbar. Die Zusammenarbeit mit ihr war einer der echten Höhepunkte dieses Films.“
Rachels Suche führt sie auch erneut auf die unheimliche Morgan Ranch zurück, wo sie auf den ortsansässigen Immobilienmakler Martin Savide trifft, der die Ranch an unwissende Käufer abstoßen will. In einem der heitereren Momente des Films hat Gary Cole – bestens bekannt aus seinen Rollen in der TV-Serie „Office Space“ und dem Comedy-Hit „Voll auf die Nüsse“ – einen Cameo-Auftritt als Makler, der die grausige Geschichte der Ranch vor Rachel verbergen will – nicht wissend, dass sie nur allzu gut über deren fürchterliche Vergangenheit informiert ist. Zum Schauspielensemble gehören außerdem auch Emily VanCamp (aus der TV-Serie „Everwood“) und Ryan Merriman, der in „Steven Spielberg’s Taken“ zu sehen war – gemein-sam spielen sie die Teenager, die eine katastrophale Begegnung mit dem verfluchten Video haben. DER RING DES TODES Im Mittelpunkt des geheimnisvollen „Ring 2“ steht Samara selbst; Drehbuchautor Ehren Kruger bezeichnet sie als „Racheengel – oder eher Dämon – aller verlassenen Kinder. Denn in vielerlei Hinsicht ist ihr Verhalten, so grausam und zerstörerisch es auch wirkt, aus dem Blickwinkel eines ungerecht behandelten Kindes völlig nachvollziehbar und verständlich. Trotz ihres monströsen Aussehens ist sie eine tragische Figur.“ Hideo Nakata stimmt dem zu: „Wir können Angst, aber auch Mitgefühl empfinden – was oft die Schlüsselelemente in japanischen Geistergeschichten sind. Und da „Ring“ ja ursprünglich ein japanischer Roman war, findet sich diese Dualität auch hier wieder.“ „Mehr als alles andere geht es hier um die Gegenüberstellung von Unschuld einerseits und dem reinen Bösen andererseits“, meint Parkes. „Da ist dieses unschuldige kleine Mädchen in einem weißen Kleid, langes schwarzes Haar bedeckt ihr Gesicht und verdeckt ihre wahren Absichten... ein hilfloses kleines Mädchen, das in Wahrheit mächtiger ist, als man sich jemals vorstellen könnte." Kelly Stables, die Schauspielerin, die schon in „Ring“ eine von Samaras Doubles verkörperte, spielt in der Fortsetzung nun die Evil Samara. Obwohl sie ironischerweise panische Angst vor Horrorfilmen hat, bereitete sie sich auf ihre Rolle vor, indem sie sowohl „Ringu“ als auch „Ring“ ansah, um Samaras physische Eigenheiten einzufangen. „Samaras besondere Körpe-rsprache ist für die Rolle von grundlegender Bedeutung“, meint sie. „Samara hat ganz typi-sche Abläufe, sie bewegt sich im Stakkato. Und wenn ich vollständig geschminkt war, habe ich mich vor mir selbst gefürchtet!“ In „Ring 2“ ist Samara ausschließlich in ihrem bösartigsten Zustand zu sehen, weshalb Kelly Stables auch täglich eine mindestens fünfstündige Make-up-Sitzung durchzustehen hatte. Der sechsmalige Oscarpreisträger Rick Baker, verantwortlich für das Spezialeffekte-Make-up, erschuf bereits für „Ring“ Samaras Look sowie die grotesken, verzerrten Gesichter ihrer Op-fer. In „Ring 2“ mussten er und sein Team die attraktive Mittzwanzigerin Stables in den Geist eines jungen Mädchens verwandeln, der die Narben eines schauerlichen Todes und des Le-bens danach in einem tiefen, dunklen Brunnenschacht trägt. Hideo Nakata erzählt: „Rick und ich haben ausführlich darüber gesprochen, wie viel wir von Samaras Gesicht zeigen sollten; wir sind beide zu dem Schluss gekommen, dass in diesem Fall weniger mehr ist. Er mochte den Ansatz, in „Ringu“ nur eines von Samaras Augen zu zeigen, also konzentrierten sich Rick und sein Team stärker auf das Aussehen ihres gesamten Körpers, auf die Art, wie ihr Haar ihr Gesicht bedeckt, und auf die Details an Armen und Bei-nen. Es ist eine sehr ausgefeilte Arbeit, und Samaras Make-up musste praktisch vor jedem Take überarbeitet werden.“
Die Verwandlung von Stables zog sich über Stunden hin und begann damit, dass sie von Kopf bis Fuß mit einem Spray in geisterhafte Blässe eingefärbt wurde. Dann wurden im Airbrush-Verfahren die blauen Venen aufgetragen, die sich durch die weiße Haut abzeichnen. Da die Schauspielerin Mitte 20 ist, wurden besondere Accessoires erschaffen, damit ihr Gesicht kind-licher wirkt – obwohl ihr Antlitz meist von dem langen, dunklen Haar verdeckt wird. Für Samaras Körper führte Baker lange forensische Recherchen durch um zu erfahren, was mit einem Körper geschieht, der lange im Wasser gelegen hat. „Man kennt das ja, wenn man lange gebadet hat und die Hände so schrumpelig werden; mit der Zeit wird das nur noch schlimmer“, erklärt Baker. „Genau dieses Aussehen wollten wir auch erzielen.“ Dafür wurden Hunderte Einzelteile kreiert, die überall auf Stables Händen, Armen, Beinen und Füßen befes-tigt wurden. Es waren so viele Kleinteile, dass Baker seufzt: „Es war schwer festzustellen, was genau wohin genau gehörte, also fertigten wir kleine „Landkarten“ dafür an und legten die Reihenfolge fest, in der sie aufgetragen werden mussten.“ Außerdem musste jedes Teil-chen mehrmals vorhanden sein – denn jedes konnte nur ein einziges Mal verwendet werden und wurde dann weggeworfen. Doch die wahrscheinlich größte Herausforderung für das Make-up-Team lag wohl darin, diese Teile auch wasserbeständig zu machen. „Wir haben eine neue Technik entwickelt und unsere Einzelteile aus dem gleichen Material gefertigt wie Prothesen zum Aufkleben, sodass sie auch besonders durchscheinend wirken. Uns gefiel dieser Look, aber besonders die Beständigkeit im Wasser war wichtig. Wir haben wirklich gut haltbaren Klebstoff verwendet...!“ Der Nachteil dieser Prozedur bestand darin, dass es fast genauso lange dauerte, das Make-up zu entfernen, wie es gedauert hatte, es aufzutragen. Doch trotz der vielen Stunden, die Kelly Stables am Beginn und am Ende eines jeden Drehtages in der Maske verbringen musste, sagt Baker über sie: „Kelly hat sich toll gehalten. Sie hatte während der gesamten anstrengenden Prozedur immer gute Laune.“ Samaras augenscheinlichstes Markenzeichen, ihr langes, schwarzes Haar, war eine aus echtem menschlichen Haar geknüpfte Perücke. Kelly Stables musste außerdem maßgefertigte Kon-taktlinsen tragen, um blind zu wirken – was dazu führte, dass sie nicht gut sehen konnte. Durch das weiße Kleid war Stables‘ Verwandlung in Evil Samara dann vollständig gelungen. Die Dreharbeiten zu „Ring 2“ begannen in Downtown Los Angeles, wo die Nachrichtenredak-tion des ehemaligen Los Angeles Herald Examiner-Gebäudes als Büro des The Daily Astorian diente. Die real existierende Zeitung der Gemeinde von Astoria, im US-Bundesstaat Oregon, war so großzügig es den Filmemachern zu gestatten, ihren wirklichen Namen und Schriftzug im Film zu verwenden.
Nach dreiwöchigen Dreharbeiten in und um Los Angeles zog die Produktion in das seltsam altmodische und pittoreske Städtchen Astoria, in Oregon, wo das oft wolkenverhangene Wet-ter viel dazu beitrug, dem Film seinen düsteren Unterton zu verleihen. Astoria liegt auf einer Halbinsel und hat eine Beziehung zum Wasser, die mit einem der großen Themen der Ge-schichte absolut im Einklang steht. Hideo Nakata erläutert die Bedeutung des Wassers im Film: „Ich stamme aus Japan, einer von Wasser umzingelten Insel. Durch Naturkatastrophen kann Wasser zu einem Symbol für den Tod werden, also haben Japaner eine angeborene Angst vor dem Wasser, und das beeinflusst mich. Und in diesem Film ist Wasser natürlich ein Symbol für Samaras bösartigen Geist, denn sie musste lange Zeit auf dem Grund eines tiefen, dunklen Brunnens ausharren.“ Ehren Kruger fügt an: „Symbolisch ist Wasser die Quelle des Lebens – aber es ist auch ein Umfeld, in dem wir nicht auf natürliche Weise überleben können. Also bildet Wasser die per-fekte elementare Metapher für beides, Leben und Tod.“ Das Thema Wasser hatte auch großen Einfluss auf die Farbnuancen, die im Film eingesetzt werden. Produktionsdesigner Jim Bissell erklärt: „Wasser ist im Film sehr bedeutsam, und das hatte zur Folge, dass meist auf kalte Blau- und Grüntöne zurückgegriffen wurde. Der grau verhangene Himmel, der oft an der Nordwest-Pazifikküste auftritt, beeinflusste die Farbwahl ebenfalls. Es ist ein sehr monochromatischer Look, wirkt etwas klaustrophobisch – und das ist das perfekte Setting für unseren Horror-Film. Meiner Meinung nach ist alles noch viel beängstigender, wenn man nicht großartig ankündigt, dass gleich etwas Grausiges geschehen wird. Man nimmt einfach eine Umgebung, die ganz natürlich wirkt, fast einladend – und verändert nur ein wenig die Lichtintensität, und schon befällt einen diese unheilvolle Ah-nung...“ Zu diesem Zweck arbeitete Bissell bei der gesamten Farbpalette eng mit Kameramann Gabriel Beristain zusammen, der meint: „Wir mussten berücksichtigen, dass das Wasser in diesem Film ein wiederkehrendes Thema ist, genau wie das Grün der idyllischen ländlichen Umge-bung. Deshalb haben wir dichte Pastellfarben und intensive Primärfarben vermieden und stattdessen auf Blau, Grün, Grau und Erdtöne zurückgegriffen.“ Beristain setzte auch das wechselvolle Wetter zu seinen Zwecken ein: „Rachel sehnt sich nach Normalität und nach einer friedvollen Umgebung, einer Welt, in der sie die Alpträume der Vergangenheit vergessen kann. Also kamen uns auch sonnige Tage gelegen, denn wir sind in einer neuen Welt, einer neuen Zeit, einer neuen Stadt. Doch das Klima in Astoria ist sehr wechselhaft – die Sonne kann scheinen, doch schon fünf Minuten später gießt es wie aus Ei-mern.“ Um die Szenen zu harmonisieren, entschlossen sich die Filmemacher dazu, jede Einstellung zu befeuchten, wie Beristain sagt: „Für alle Fälle eben. Und das erwies sich als wunderschön – diese Stimmung, wenn sich die Sonne nach einem Regenschauer wieder zeigt und alles glit-zert. Egal welches Wetter uns Astoria zu bieten hatten – wir haben das Beste daraus gemacht. Man konnte ja nicht auf das perfekte Wetter warten – also war unser perfektes Wetter eben die Unvorhersehbarkeit des Klimas in Astoria.“
Die Einbeziehung des Rotwildes in die Geschichte war für Regisseur Hideo Nakata sehr be-deutsam, denn im alten Japan galten sie als heilige Tiere – göttliche Boten, die auch heute noch als nationaler Schatz gehütet werden. DER BRUNNEN Nach Abschluss der Dreharbeiten in Astoria kehrten die Filmemacher nach Los Angeles zurück. Die Schlussszenen wurden dann in den Soundstages der Universal Studios und der LA Center Studios gedreht. Erneut spielte Wasser eine grundlegende Rolle in zwei der wich-tigsten Szenen des Films. Die erste spielt in Max‘ Badezimmer, wo das Wasser von Samaras Anwesenheit wortwörtlich zurückweicht. Wie in einer Anti-Schwerkraft-Kammer drängt das Wasser aus der Badewanne hinaus und überzieht Wände und die Decke, bevor es flutartig herabströmt. Nakata erklärt: „Der Grundgedanke lautet, dass Samara, die lange Jahre auf dem Grund eines Brunnens ausharren musste, nun die Macht hat, Wasser zu verdrängen.“ Um diese Szene zu realisieren, benutzte der Koordinator der Spezialeffekte, Pete Chesney, zwei verschiedene Badezimmer-Sets. Eines war ein vollständig auf dem Kopf stehendes Ba-dezimmer, in dem ca. 100 dünne Drähte alle Handtücher und Vorhänge an Ort und Stelle hiel-ten. Somit konnte man die „Decke“ mit einer kleinen Pfütze fluten. Danach wurde im richtig herum konstruierten Badezimmer gedreht, in welchem das Team eine Reihe von sieben lan-gen, schmalen Tanks aus durchsichtigem Kunststoff eingebaut hatte. Die Tanks wurden zeit-versetzt und der Reihe nach geöffnet, sodass sich das Wasser von einer Seite des Raums zur anderen hin ausbreitete. Mehrere Kameras wurden eingesetzt, um diese Sequenz einzufangen, wobei einige davon in Hochgeschwindigkeit drehten, um die Bilder dann in Zeitlupe zur Gel-tung zu bringen. Betsy Pattersons Team vervollständigte dann die Szene, indem alle visuellen Elemente integriert und vergrößert wurden. Die letzten Drehtage zu „Ring 2“ gehörten auch zu den schwierigsten, denn sie spielten im schrecklichen Brunnen, in dem Samara zu Tode kam und in den sie Rachel erneut hineinzieht. Die symbolträchtige Lichtung mit der Brunnenöffnung, die zu Beginn des verfluchten „Ring“-Videos erscheint, wurde in den L.A. Center Studios in Los Angeles erschaffen. Produktions-designer Jim Bissell und seine Crew füllten das gesamte Stage 1 mit frisch ausgelegtem Rasen und 220 Erlen, umgeben von einem gigantischen Green-Screen, auf welches das Spezialeffek-te-Team dann das Bild einer steilen Klippe am Rande der Lichtung projizierte. Für den Höhepunkt in der Verfolgungsszene im Brunnen wurden mehrere Sets, sowohl tro-ckene als auch wassergefüllte, für die Innenaufnahmen in zwei Soundstages in den Universal Studios errichtet. Nakata meint: „Für mich war es die dritte Rückkehr zum Brunnen-Drehort, und das vermittelte mir ein sehr klaustrophobisches Gefühl. Es war sehr hart, dort zu arbei-ten.“ Naomi Watts gibt zu: „Es ist etwas sehr Unheimliches daran, dort drinnen zu sein – obwohl man weiß, dass es gar nicht echt ist. Es war ein tolles Set.“ Die Schauspielerin hat auch die meisten der Klettersequenzen unter der Anleitung von Stunt-Koordinator Keith Campbell selbst absolviert. Ein Double wurde eingesetzt, um die Sequenz auszuarbeiten, dann wurden Watts die Sicherheitsleinen angelegt und sie begann mit dem Einsatz. „Die Arbeit in diesem Klettergeschirr ist wahnsinnig unbequem“, sagt Campbell. „Unglücklicherweise ist es auch ein sehr steiler Winkel, und die Steine waren unglaublich hart. Es waren ja keine echten Stei-ne, aber genauso hart wie echte, und außerdem war alles feucht, rutschig und voller Moos. Es roch sogar feucht und faulig, also war die Arbeit extrem hart – doch Naomi hat einen großartigen Job gemacht.“ Samaras unnatürliche, spinnenartige Bewegungen machten die Verfolgungsjagd noch furcht-erregender. Nakata offenbart: „Samaras Bewegungen werden immer verrückter, also haben wir darüber beraten, wie das umzusetzen wäre – vielleicht sogar mit Computeranimation -, aber ich war der Überzeugung, das würde in der Szene nicht funktionieren.“ Stattdessen enga-gierte man Bonnie Morgan, eine professionelle Stuntfrau und Kontorsionistin, die ihre einzig-artige Schlangenmensch-Begabung bereits in Filmen wie „Minority Report“ und „Men in Black 2“ zur Geltung brachte. Als Stunt für Samara im Brunnen verdrehte Morgan ihre Arme und Beine so gekonnt, dass Samaras bizarre Bewegungen wahr werden konnten. BEUNRUHIGENDES Auch hinter der Kamera spielten sich einige bizarre Ereignisse ab - während der gesamten Produktion von „Ring 2“ wurde man wiederholt von verstörenden Vorfällen heimgesucht. Die eigenartigen Geschehnisse begannen am 20. Mai 2004, der zufällig auch der „siebte Tag“ der Produktion war. Frühmorgens traf das Personal ein und stellte fest, dass die Büroräume unter Wasser standen. Obwohl als Ursache schon bald ein Rohrbruch ausgemacht werden konnte, bedeutete die Überflutung – die in so engem Zusammenhang mit einem großen The-ma des Films zu stehen schien – für manche ein Omen bezüglich zukünftiger Ereignisse.
Und obwohl die Dreharbeiten nun gesegnet worden waren, setzte sich eine Kette höchst eigenartiger Ereignisse fort. An einem Drehort ließ sich urplötzlich ein Schwarm aus Tausenden von Bienen auf den Lkw mit der Ausstattung nieder, was die sofortige Evakuierung der gesamten Abteilung zur Folge hatte – worauf die Bienen so schnell wieder verschwanden, wie sie gekommen waren. Ohne erkennbaren Grund brach im Produktionsbüro ein 20-Liter-Wasserkanister urplötzlich auseinander und setzte so genau die Räume, die erst vor wenigen Wochen durch den Rohr-bruch beschädigt worden waren, erneut unter Wasser. An einem Morgen in den Universal Studios trat ein Mitarbeiter der Kostümabteilung aus der Garage, nur um festzustellen, wie ein gehörnter Rehbock über den Asphalt in ihre Richtung rannte. Obwohl es relativ häufig vorkommt, dass Wild aus den umliegenden Hügeln auf das Studiogelände gerät, war die Ähnlichkeit mit der Rotwild-Attacke im Film schon beängstigend. Diese Vorfälle brachten etliche Mitarbeiter und Schauspieler zu der Annahme, Samaras An-wesenheit mache sich irgendwie bemerkbar. Nakata meint: „Die Vorstellung einer Schwelle zwischen der Realität und einer anderen Welt kann sehr beängstigend sein, und ich denke, Samaras Anwesenheit ist in diesem Film viel greifbarer als in den vorangehenden. Samara ist nicht nur auf dem TV-Bildschirm, sie ist di-rekt an deiner Seite. Und das löst unter den Zuschauern dieses Film wohl die größte Furcht aus.“
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