Es ist schwer, über gute Bands zu schreiben. Wenn man über sie schreibt, klingt alles langweilig, alles selbstverständlich. „Diese Band ist super, das Album ist super, alles ist beim Alten und super wie immer, sie sind nun mal gut“. Das einzig Schlechte am Gutsein ist wahrscheinlich die Banalität, die dieses Gutsein mit sich bringt. „Sie sind halt gut, gut, und noch mal gut. Mehr gibt es nicht zu sagen“. Und bei „Retox“ wird es nicht anders sein. Das denkt man zumindest, wenn man den ersten Song „We’re Gonna Drop The Atom Bomb“ hört. Ein typischer „Turbonegro“-Song, rebellisch-aggressiv-melodisch, typisch Death-Punk, typisch „Turbonegro“. Dann folgt aber die Enttäuschung. Diesmal klingen sie ein bisschen reifer, wie ihre Vorfahren aus den 60ern. Aber das ist nicht unbedingt positiv gemeint. Die Stimme von Hank von Helvete ist super, das ist klar. Aber leider sind die meisten Lieder auf „Retox“ mittelmäßig. Außer „Do You Do You Dig Destruction“ und „We’re Gonna Drop The Atom Bomb“ gibt es auf „Retox“ kein Lied, das man unbedingt noch einmal hören will. „Hell Toupée“ ist eher Hardrock als Death-Punk, klingt eher nach „Def Leppard“ als nach „Turbonegro“. „Stroke The Shaft“ und „I Wanna Come“ erinnern stark an “Deep Purple”. Auf diesem Album hört man vielleicht zum ersten Mal die 60er Einflüsse auf „Turbonegro“ so deutlich. Bei „I Wanna Come“ ist es echt offensichtlich, dass die Norweger mit Retox keine Death-Punk-Band mehr, sondern eine richtige Hardrockband sind. Das elfte und letzte Lied heißt „What Is Rock?!“ Das ist Rock! „Retox“ ist Rock! Aber das ist nicht mehr Turbonegro! „Retox“ scheint ein Übergangsalbum zu sein. „Apocalypse Dudes“ bleibt wahrscheinlich für immer das beste Turbonegro-Album. Das ist nun mal das Schlechte daran, eine Superband zu sein. Irgendwann gelangt man an einen Punkt, wo es einfach nicht mehr besser werden kann, sondern wo alles nach hinten losgeht. Wertung 8/10.