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The Puppini Sisters – Betcha Bottom Dollar
Verve / Universal VÖ: 20.10.06

CD im Bumbanet Store

 

„Vintage-Swing-Pop“? Aha. Und was bitte, soll ich mir darunter vorstellen? „Erfrischende Unterhaltungsmusik“ im Stil der vierziger Jahre von einem britisch-internationalen Frauentrio, das sich selbst als „The First Modern Jazz Girl Group“ bezeichnet, und von seiner Plattenfirma als “leidenschaftlich launiges Vokalensemble” bewertet wird. Also so etwas wie die Comedian Harmonists, nur auf deutsch und in weiblich? Nicht wirklich. Zwar fühlt sich der Zuhörer bei den „perfekt harmonisierten Arrangements“ schon an die berühmte A-Cappella-Band erinnert, doch sind die drei Studentinnen des Londonder „Trinity College of Music“ für diesen Vergleich einfach viel zu fluffig, swingig, poppig, groovy – und zudem stets von diversen Instrumenten umgeben. Wie Marcella Puppini, Stephanie O’Brien und Kate Mullins selbst betonen, sind sie „sehr unkonservativ“ und wollen nicht „lediglich das Vergangene wiederbeleben“, sondern haben einen ganz „neuen Ansatz gefunden, um zeitgemäß mit der Musik unserer Göttinnen, die ja die Musik unserer Großeltern war, umzugehen“. Das haben sie allerdings: Klassiker wie Boogie Woogie Bugle Boy oder Panic schwingen genauso frisch, frech und vergnügt wie 70- / 80er Jahre-Hits von Blondie (Heart of Glass), Kate Bush (oder Wuthering Heights) oder Gloria Gaynor (I Will Survive). Disco mal edel, nicht nur ein ganz neues Hörerlebnis, sondern auch noch virtuos interpretiert. Eben wie der Rest des Albums verspielt-humorvolle, aber vor allem fantastisch harmonische Unterhaltung. Clever zeigen sich die drei aber auch bei der Auswahl der Stücke. Denn nicht nur sorgen sie für ein wohlproportioniertes Gleichgewicht zwischen ruhigeren Liedern, solchen, die ungewöhnlichen, aber genial passenden, Instrumenten – wie den Posaunen in Bei mir bist du schön – Raum geben, und Stücken, die ordentlich dahinfegen (der Boogie Woogie Bugle Boy ist Trägern von Herzschrittmachern nur bedingt zu empfehlen...). Vor allem aber begehen sie selten den Fehler, den – dieser Stilrichtung geneigten! – Zuhörer mit ihrer Zeitreise in die Heile-Welt-Musik-Ära und den teils zu naiv-süßen Stimmen zu überfüttern (wobei Java Jive ein gewisses Potenzial dafür besitzt), sondern schwenken immer wieder zu Klasse-Songs über, die soviel Spaß machen, dass sie einfach zum Mittanzen oder wenigstens schnipsen zwingen. Jetzt darf mensch gespannt sein, ob sich ihr Talent auch halten wird, wenn es an die nächste Stufe gehen wird: das Komponieren eigener Stücke, wie für das nächste Album geplant. Wertung 9/10.

Autor:
Natascha Salem


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