Berlin ist nicht gleich Berlin. Im letzten Jahr überraschte Prinz Pi mit intelligentem Rap aus Berlin, dieses Jahr ist es Taichi mit seinem vierten Album. Schon der Titel unterstreicht: Taichi will sich abheben, und er tut dies auch. Im Vergleich zu seinen letzten Releases ist das neue Material persönlicher, nachdenklicher und abgeklärter. Insgesamt dominieren schonungslose und ihrer Message deutliche, vom Leben gezeichnete Songs wie „Realität“, „Leben in der Stadt“, „Gestern vergessen“, „Erkenntnis“, „Brief“ oder „Mädchen Nr.1“. Anders gesagt: Unbeschwerte Spaßsongs gibt es überhaupt nicht. Taichi rappt keine Plattitüden oder Floskeln, die Texte hier haben Wert, Gehalt und Intelligenz. Raptechnisch gehört Taichi zwar nicht zu den großen Akrobaten, aber mit seinen schnellen, klaren Punches und seiner Vielseitigkeit und seinem guten Flow macht er das wett. Überraschend das Feature mit Vanessa S. (ja die gibt’s noch!) auf „Keine Wahl“. Später darf sie noch mal singen: „Ich denk an dich pt. II“ (da ist noch Kobra dabei). Weitere Features gibt es unter anderem von Ercandize, D-Bo, Mok und Casper. Exquisit ist auch die Beatauswahl, und trotz der Vielzahl verschiedener Produzenten ist ein homogenes Album gelungen. Bei den Beats stechen vor allem die Arbeiten von Djorkaeff und Yanek heraus. Das neue Taichi Album ist kein Berlin Mainstream, aber es ist Berlin für alle, die den etwas anderen Rap suchen. „Aussenseiter“ spendet neue Hoffnung. Wertung 9/10.