Noch ein Marley, der seine Solokarriere startet. Vom zweiten Sohn von Bob Marley hörte man bislang nicht viel, das mag vor allem daran liegen, dass er mit der Gruppe The Melody Makers durchs Land zog und als Produzent, Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist seine Brüder mit Songs versorgte. Das brachte ihm immerhin schon zwei Grammys ein. Zeit also für ein Soloalbum, schließlich ist Stephen Marley schon 34 Jahre alt. Ohne Frage sind die Erwartungen an ein Album eines Marleys immer sehr hoch, und auch „Mind Control“ muss sich einige Vergleiche gefallen lassen. Zunächst aber überrascht Stephen damit, dass er hier kein reinrassiges Roots-Reggae Werk geschaffen hat, sondern mit verschiedenen Stilen experimentiert. Das unterstreicht schon die erste Single-Auskopplung „Hey Baby“, auf der Rapper Mos Def zu Gast ist. Auch sonst gibt sich das Album vielseitig, ob mit Flamenco angereichert auf „Let Her Dance“ featuring Maya Azucena & Illestr8, oder leicht rockig zusammen mit Ben Harper auf „Inna Di Red“. Weitere Gäste sind Julian Marley, Damian „Jr. Gong“ Marley, Mr Cheeks und Spragga Benz. Unterm Strich ist „Mind Control“ trotz aller stilistischer Varianzen ein typisches Reggae-Album, bei dem kein Fan auf gewohnte Tunes verzichten muss. Stephen Marley beweist hier, dass er seinen Namen zurecht trägt. Trotzdem fehlt es stellenweise an einer deutlicheren persönlichen Handschrift. Wertung 8/10.