Einfach machen es uns Stade mit ihrem hiphop-gewürztem Live-Electro nicht. Das neue Album, Nachfolger zu „Tactile“ hat nur selten komplette Songs zu bieten, dafür aber viel Experimentierfreude. Zu Recht trägt es den Titel „Sessions". Das Stade-Duo, bestehend aus Pierre Audétat (Keyboard, Sampler) und Christophe Calpini (Drums, Sampler), die schon mit Alive Sampler bzw. Silent Majority bekannt geworden sind, lässt sich kaum in Genregrenzen packen. Freizügiger Electro, ambitionierter Jazz und treibender HipHop sind die drei größten Kräfte auf diesem Album. Der Sound wird auch durch Infinite Livez (Shadowless Crew) geprägt, der mit seinen grime-ähnlichen Raps auf gleich mehreren Tracks vertreten ist. Dennoch ist das Tempo meist sehr gemäßigt, bei „Animal Man Pt. 2“ beispielsweise scheint man fast bewegungslos im Raum zu verharren und die Instrumente sind sparsam eingesetzt. Nicht anders da der Dub auf „No More“ featuring Wayne Paul, der zumindest etwas kraftvoller nach vorne geht. Auf anderen Nummern verzichten Stade ganz auf gesangliche Einlagen und lassen die Stille nur durch zischende Sounds durchbrechen. Lebendiger wirkt da der Livetrack „Car“ mit Nya und Erik Truffaz an der Trompete. Rückblick nach 45 Minuten: „Tactile Sessions” ist ein komplexes Album, schwierig zu hören weil weder richtig Electro, noch richtig HipHop. Ein dunkler Hybrid voller Geheimnisse. Wer auf eingängig Songstrukturen verzichten kann, und dem mit viele Liebe gestaltete Sounds vorzieht, wird an Stades neuem Werk seine Freude haben. Wertung 7/10.