"Ich bin jetzt ein Goldjunge" rappt Sido auf seinem neuen Album. Recht hat er, "Ich" erreichte schon nach zwei Verkaufstagen Gold. Sido hat seine Maske abgesetzt und zeigt so, dass er auch ohne Tarnung Verkaufsrekorde aufstellen kann. Die 22 Tracks blicken wesentlich tiefer nach innen: Ob "Bergab" über das Leben im Viertel, "Ein Teil von mir" über seinen Sohn, "1000 Fragen" über den Sinn des Lebens oder "Mein Testament". Gleichzeitig hat sich Sido stilistisch weiterentwickelt und setzt mit seinen Raps neue Akzente, was gerade die erste Single "Strassenjunge" zeigt. Trotzdem gehört er technisch nach wie vor nicht zu den besten Rappern Deutschlands, aber das macht er eben mit anderen Dingen, wie seiner markanten Stimme wieder wett. Und auch die Beats, die überwiegend von Paul NZA produziert wurden, gehören zu dem Unterhaltsamsten und Kraftvollsten, was es in diesem Jahr zu hören gab. Auch wenn Sido 2006 nicht mehr ganz so den Aggro-Style verkörpert wie zu Beginn seiner Karriere, ist er selbstverständlich nicht zum Intellektuellen-Rapper geworden. Es geht um Spaß und so fehlt es auch nicht an Tracks, die sich durch Humor auszeichnen. Zum Beispiel die vier Interludes von Peilerman & Flow, "Ich kiff nicht mehr", "Ficken" mit Tony D & Kitty Kat, das wilde "Rodeo" mit Peter Fox von Seeed, und die Hommage an "Sarah". Bei den Features überrascht vor allem die Rapperin Kitty Kat, die auch auf "Mach keine Faxen" dabei ist, ansonsten sind nur die üblichen Verdächtigen wie Fler, G-Hot oder B-Tight dabei. Wem das nicht reicht, der greift zur Premium Edition und bekommt auf der zweiten CD ein Feature mit der Brooklyn-Legende Smif'n Wessun ("Get ya paper") hinzu. Auch "Wir haben noch Zeit" (mit B-Tight) wegen seinem auffallenden Sample, "Hau ab!" wegen Sidos mal anderem Rapstyle, und "Ich bin ein Rapper" mit Harris & Alpa Gun sind hörenswert. Mit dem neuen Album ist Sido ein würdiger Nachfolger zur "Maske" gelungen, und nicht nur einfach ein Abklatsch. Sido ist ein Entertainer, der größte im Rap. Und mehr Rapunterhaltung als hier gab es noch nie. Wertung 10/10.
Zweieinhalb Jahre sind seit der Erscheinung seines Debüt-Albums "Maske" vergangen. Sido, der Maskenmann aus dem Märkischen Viertel meldet sich mit seinem neuen Album "Ich" zurück. Sido verdeutlicht diesmal, dass er nicht nur ein ausserordentlich begabter Rapper, sondern auch ein Top-Musiker ist! In Tracks wie "Testament", "1000 Fragen", "Bergab" und vor allem "Rodeo" beweist er, dass er nicht allein durch seine Maske dort steht, wo er heute ist. Die Beats leisten selbstverständlich ihren großen Beitrag dazu. Neben Paul Nza haben auch andere namhafte Produzenten aus der Szene wie Tai Jason, Beathoavenz und Desue ihre Beats beigesteuert. Und die Features? Sido bräuchte keinen Massiv, und schon gar nicht einen Tony D auf seinem Album, um Gold zu gehen! Das beste Feature ist Peter Fox, den man als den Frontmann von Seeed allzu gut kennt. Eine gute Entscheidung wäre es gewesen, wenn der gemeinsame Track "Rodeo" die zweite Single wird, da diese wirklich sehr massentauglich wirkt. Aber gut, mal sehen wie sich die Chef-Etage von Aggro Berlin entscheiden wird. Insgesamt ist "Ich" ein rundes Produkt, das zweieinhalb Jahre Warten sollte sich nicht nur für Fans gelohnt haben! Nur aufgrund der vielen, schlechten Features sehe ich mich gezwungen keine Höchstwertung zu geben. Wertung 9/10.