Einfach haben es Revolverheld nicht. Von ihrem Debütalbum verkauften die Hamburger über 160.000 Stück, die Credibility in der Rockszene fehlt ihnen jedoch bis heute. Das liegt nicht etwa daran, dass ihnen vorgeworfen würde ein Kunstprodukt zu sein, sondern viel mehr an charttauglichen Melodien, die sie aus dem Ärmel schütteln. Doch kann man einer Band ernsthaft vorwerfen Songs mit Ohrwurmfaktor zu schreiben? „Chaostheorie“ beginnt mit „Gegen die Zeit“ erstaunlich progressiv: Kräftige Gitarren und energische Shoutings von Johannes Strate. Das erinnert an die deutschen Querschwimmer Such a Surge. Doch schon danach geht es mit der Single „Ich wird’ die Welt verändern“ wieder in den alten Trott. Melodien, Balladen und intelligente Texte wie auf „Superstars“ prägen das Bild des zweiten Albums. Jedenfalls stimmt die Mischung, Revolverheld zeigen sich ausgewogen und reif, rocken mit Gefühl und ohne Chaos. Hin und wieder drücken sie auch mal auf die Lautstärke, so bei „Du explodierst“, meist aber stehen die gesanglichen Qualitäten von Johannes im Vordergrund. Reicht das um zu packen? Revolverheld klingen gut, schreiben kompakte Songs, und doch fehlt der letzte Kick. Zu harmlos ist die „Chaostheorie“, wenn auch nicht schlecht. Wertung 6/10.