So bunt wie dieses Album aussieht, so klingt es auch. Da hat Mika, 23-jähriger Songwriter aus Beirut, aufgewachsen in London, mit „Life in Cartoon Motion“ einen passenden Titel gewählt. Und landete völlig überraschend mit der Single „Grace Kelly“ und dem Album auf Platz 1 der britischen Charts. Die Musik von Mika ist eigenwillig, vordergründig Pop, gespickt mit endlosen Melodien, Hymnen und Sing-a-longs. Keine Frage: Mika ist nicht nur ein seltsamer Künstler, sondern er hat auch ein seltsames Album gemacht. Aber das Seltsamste daran ist, dass er damit so erfolgreich ist. Freuen wir uns über die Geschichten, die das Musikgeschäft schreibt, und freuen wir uns über das Album von Mika, das von der ersten Sekunde an mitreißt und begeistert. Ob Hommage oder Parodie ist dabei oft nicht so klar, bei der Single „Grace Kelly“, einem wirklich opulent-beschwingten Song, ist es wohl eher zweites. Keines der zehn Stücke klingt gleich, prägendes Element ist nur immer der zarte, aber trotzdem bestimmte Gesang von Mika. Das ist Stimmungsmusik, ohne platt oder uninspiriert zu sein. Der Vibe der Beatles und Beach Boys schwingt hier mit, aber Mika verweigert sich neuen Sounds nicht, und packt das Ganze so in ein zwar gewöhnungsbedürftiges Gerüst zwischen Plastik-Pop und Schleim-Gejohle (vor allem auf „Relax (Take it Easy)“), das jedoch immer trendy wirkt. Trendy und auch durchdacht. Und so kann Mika dann auch mal eben einen echten Gänsehautsong wie „Any Other World“ im Stile von Elton John dazwischen schmettern. Mika scheint so eine Mischung zu sein aus begnadetem Musiker und grandiosem Entertainer. Ist euch alles zu schräg? Klingt aber verdammt gut! Zumindest für den Moment. Wertung 9/10.