Als Marillion-Fan alter Schule wird mir vermutlich das Geheimnis des vermeintlichen Erfolges der Nach-Fish-Ära immer ein Rätsel bleiben. Man könnte dementsprechend schon fast den Pressetext zum aktuellen Album „Somewhere else“ als bezeichnend heranziehen, in dem es heißt: „Marillion are one of the UK music scene’s best kept secrets“, obwohl man der gerade erschienenen CD von der technischen Qualität und der Produktion her nichts Negatives nachsagen kann. Wie eh und je in der Hogarth-Ära handelt es sich jedoch um sehr elegische Titel, in denen Marc Kellys einstige Synthie-Sounds einem überwiegenden Piano-Sound gewichen sind und sogar Steve Rotherys einst wehklagender Gitarrensound durch lupenreine, filigran angeschlagene Töne ersetzt wurde. Es sind tatsächlich mehr Soul-angehauchte und psychodelische Klänge, die den Charakter von „Somewhere else“ ausmachen. Es dauert bis zum vierten Titel „Most Toys“ bis ein wenig Rock reinkommt. Mit „See it like a baby“ ist als zweiter Titel die erste Single-Auskopplung des Albums gewählt worden, die sich musikalisch schon ein wenig im Niemandsland der Belanglosigkeit bewegt, vergleicht man sie etwa zum Beispiel mit „Beautiful“, „Alone again in the lapse of luxury“ oder gar „Hooks in you“, die hier schon eher als ein Highlight der Hogarth-Ära anzusehen wären. Erst mit „The wound“, dem achten Titel kommt dann wirklich ein Hauch alter Tage rüber. Nichtsdestotrotz sind Rotherys Gitarrensoli immer noch eine erleichternde Abwechslung zum ansonsten eher als Lounge-Music geeigneten Rest. Wertung 7/10.