Machine Head - The Blackening
Roadrunner
VÖ: 30.03.2007
Vier Jahre mussten die Fans der amerikanischen Metal-Band Machine Head auf das Erscheinen des sechsten Studio-Albums „The Blackening“ warten, so lange wie noch nie zuvor in der 13 Jährigen Bandgeschichte. Doch am 23. März hatte das Warten ein Ende, der Nachfolger der erfolgreichen „Through the Ashes of Empires“ (2003) war endlich in den Plattenläden erhältlich.
Es scheint auf den ersten Blick verwunderlich, dass die Band um Sänger und Gitarrist Rob Flynn in diesen vier Jahren „nur“ acht Songs geschrieben und eingespielt haben, doch dieser Eindruck ist trügerisch.
„The Blackening“ ist eines der anspruchsvollsten Alben der Bandgeschichte, viele Songs sind extrem lang (bis zu 11 Minuten) und von vielen Wechseln und Soli durchzogen, auch ist dieses Album eher melodiöser als brachial, wie es die Fans eigentlich von Machine Head gewohnt sind.
Schon der Opener „Clenching the Fist of Dissent“ beginnt mit einem zweiminütigen Akkustikgitarrensolo, entfaltet sich aber danach trotzdem zu einem fast typischen Machine Head Song, der vor allem von Rob Flynn's aggressiver Stimme geprägt ist und viele Tempowechsel und sehr anspruchsvolle Gitarrensoli beinhaltet. Die epische Länge (satte 10:34 Minuten) lässt viel Spielraum zu und der Hörer beginnt zu verstehen, warum dieses Album so lange auf sich warten lies.
Das kürzeste Lied des Albums „Beautiful Mourning“ (immerhin noch fast fünf Minuten) ist ein eher typisches Lied für Machine Head: laut, schnell und aggressiv und dennoch von einer gewissen Melodik durchzogen.
„Aestetics of Hate“ ist ein Tribut an den 2004 auf einem Konzert erschossenen Pantera-Gitarrist Dimebag Darrel, logischerweise mit einem sehr hohen Anteil an feinsten E-Gitarren-Soli, Rob Flynn und der Lead-Gitarrist Phil Demmel schwingen sich zu Höchstleistungen auf. Jeder Fan von ausgefeilten Riffs und schnellen präzisen aber auch gleichzeitig harten Gitarrensounds kommt hier voll auf seine Kosten.
Das folgende „Now I lay thee down“ spricht die Thematik einer tragischen Liebe an, man kann richtig die Emotiononen aus Rob Flynns Stimme hören, die natürlich das gewissen Maß Aggressivität durchaus noch trifft, um es zu einem der wohl viel versprechendsten Song des Albums zu machen, alte und neue Fans dürften dieses Lied lieben.
„Slanderous“ scheint dagegen ein Kompromiss zwischen alter Härter, neuer Kreativität und Melodik zu sein, was allerdings nichts Schlechtes heißen muss, dieser Song ist eine Art Bindeglied zwischen den älteren Alben und dem Neuen, spätestens hier sollten auch eingefleischte Fans des brachialen Stils vom neuen Album überzeugt sein.
Ein „schwarzes“ Album ohne ein Song über religiöse Themen? Unmöglich. „Halo“ handelt von Revolution, Freiheit und Mündigkeit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht blind auf die Rituale und angeblichen Prophezeiungen eines Gottes zu hören. Auch dieser Song basiert maßgeblich auf fast halsbrecherisch schnellen Soli, die sich zu immer weiteren Höhen aufschwingen.
Das wieder klassischere „Wolves“ erinnert von Härte und Spielart sowie Gesang an den Klassiker „Davidian“ und dürfte bestens geeignet sein, einer großen Menge auf einem Konzert so richtig einzuheizen. Die eingängigen Riffs, die knüppelharten Drums und der gewohnt aggressive Gesang lassen niemanden unbewegt.
Das Album endet wie es begonnen hat: „Farewell to Arms“ beginnt genau wie der Opener mit einem Akkustikgitarrensoli und sehr ruhigem, melodiösem Gesang und hat eine Länge von gut 10 Minuten. Es ist allerdings ein Song der obwohl er eine gewisse Spannung aufbaut und hält, erst relativ spät in den letzten vier Minuten die typische Härte erreicht. Ein gelungener Abschluss für ein sehr anspruchsvolles aber auch geniales Album.
„The Blackening“ ist ein Album, vergleichsweise mit Kaffee: die erste Tasse bzw. das erste Hören ist etwas bitter und sehr gewöhnungsbedürftig, doch nach einer gewissen Zeit entfaltet sich das volle Aroma: war man früher von Machine Head nur knüppelhartes schnelles Spielen gewohnt, so ist man erst einmal geschockt und braucht eine gewisse Zeit um sich an den „neuen“ Stil zu gewöhnen, doch dann kann man mit recht behaupten, das dies, trotz der langen Songs, wohl eins der komplexesten und besten Alben der Band ist. Wertung 8/10.