Lea Won - Lernt mich lieben (Vol.1)
Eigenvertrieb VÖ 03.07.2007
„Ich weiß nicht, der ist ganz schön neunmalklug für sein Alter“ entgegnete mir letztens ein Kenner der- nicht nur- Münchner Musikszene im Bezug auf das Thema Lea-Won. Der arme Kerl hat’s aber auch nicht leicht, bekommt in der Presse regelmäßig sein Fett weg, dabei macht er vieles richtig. Er hat einen hohen Output an Produktionen und nutzt jede Gelegenheit zum live Rappen/ Freestylen und lief mir als einem, der nicht allzu oft Jams frequentiert, in dieser Funktion auch schon einmal über den Weg. Doch nun zum Tonträger: Die Beats lassen sich sehr gut anhören, sind anständig oder sogar extremst einfallsreich produziert (namentlich zum Beispiel „Reclaim“, „Relativ gut“, oder „Wie schön?“). Anstrengend ist die teilweise naive linksliberale Haltung des Protagonisten, weil das Leben zu Münchner Mittelstandskids ja so gemein ist, wenn man in der Öffentlickeit kiffen will. Aber Vorsicht: gerade dann, wenn man dem Guten zurufen möchte: „Werd’ erwachsen!“ sollte man sich „Das Schwerste“ anhören und verstummen. Und außerdem, Lea-Won hat (wenigstens) eine Meinung, was im heutigen Deutsch-Rap angesichts wortkargem Porno-Rap und Ghetto-Gepose nicht selbstverständlich ist. Hier liegt somit eine mehr als solide Selfmade-Platte mit einigen Feature-Tracks, abwechslungreichen Beats und verschiedensten Rap-Styles vor: Rappen kann der Junge, teilweise tight, teilweise verschleppt-aufgekratzt, aber er kann’s, genau wie seine Mikrofongäste, deshalb glaubt man ihm auch, daß er den HipHop einfach fühlt und lebt. Wertung 8/10.