Saddle Creek überraschen immer mal wieder gerne. Nicht nur mit ausgesprochen guten Veröffentlichungen, sondern gelegentlich auch mit einem dezenten Blick über den Tellerrand ihres eigentlich recht sauber abgesteckten Indie-Emo-Folk-Wave-Elektro Labelhorizonts. Mit Ladyfinger (ne) veröffentlicht das in Omaha ansässige Label jetzt aber ein lupenreines Rock Album – schon wieder eine Überraschung. Keinen Indie-Rock, Alternative-Rock oder sonst was, sondern richtigen Rock, Hard Rock. Die „Heavy Hands“ des Titels werden hier nämlich ziemlich wörtlich genommen. Ein klein bisschen Motorhead, etwas mehr Jesus Lizard und ganz viel Drive like Jehu, die Band, die vor fünfzehn Jahren das Genre „Emo“ erfunden hat. Da hörte sich Emo aber noch ganz anders an, sehr viel heftiger und aggressiver als manches unter dem Label „Emo“ heute verkaufte Popgesültze. So auch Ladyfinger: Wie ein Tornado rast die Band während den zehn Songs über den Hörer hinweg, die aggressive Spannung lässt zu keiner Sekunde nach, harte Gitarrenrhythmen und die schneidende Stimme von Sänger Chris Machmuller dominieren das Album. Wenn „Heavy Hands“ etwas abwechslungsreicher wäre, wäre es sogar ein richtig gutes Album. „Gut“ ist es aber zumindest immer noch. Wertung 7/10.