Vergessen hat Jarvis Cocker mit Sicherheit niemand. Das ging ja eigentlich auch gar nicht, schon alleine wegen dieser großen, prägnanten Brille. Klar, da war natürlich auch noch die Musik, seine brillante Band Pulp und die ganzen Nebenprojekte, mit denen er sich in seiner bisherigen Post-Pulp Ära so beschäftigte. Warum auf dem Cover trotzdem ein großer, weißer und mit „Jarvis“ beschrifteter Pfeil auf den ehemaligen Pulp Frontmann zeigt, ist also nicht ganz ersichtlich. Vielleicht für andere kurzsichtige Brillenträger? Musikalisch sollten da weniger Probleme auftauchen, denn „The Jarvis Cocker Record“ ist unverwechselbar Pulp, also intelligenter und vielschichtiger Britpop der alten Schule und eine erfrischende Abwechslung zu den ganzen momentan so hippen Retro-Revival Epigonen aus dem Mutterland des Pop. Viele, die mit der Rückkehr des Ex-Pulp Frontmanns jetzt allerdings das beste Pop Album des Jahres erwartet haben, werden wohl enttäuscht sein. Zwar knüpft Jarvis musikalisch klar an die große Vorgängerband an, erreicht jedoch nie das Niveau dieser. „The Jarvis Cocker Record“ ist ein gutes Pop Album, hat aber bei weitem nicht das Zeug zum Klassiker – die großen Melodien fehlen, die Spannung ebenso und die Texte sind, mit einigen wenigen positiven Ausnahmen, auch nicht mehr so zynisch und treffend wie früher. Hätten alle Songs die Qualität des Openers, „Don´t let him waste your time“, sähe das ganz anders aus. Wertung 7/10.