Das Totschlagargument in Bezug auf Herbert Grönemeyer wäre vermutlich zu behaupten, dass er sich einen Status geschaffen hat, von dem aus er nichts mehr falsch machen kann. Dass er, nachdem er bereits 2000 für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, mit Mensch doch noch einmal seine erste deutsche Nr. 1-Single auf den Markt gebracht hatte, führte dazu, dass nun der Erwartungsdruck umso höher ist. Immerhin hat er wieder einmal fünf Jahre ins Land streichen lassen. Nun liegt das Album vor, dass bezeichnenderweise 12 genannt wird, nicht zuletzt weil es sein 12. ist, sondern weil 12 Songs darauf enthalten sind und er an einem 12. geboren ist. Ob dies ein gutes Omen ist, wird sich noch herausstellen. Die erste Single-Auskopplung „Ein Stück vom Himmel“ ist zumindest wieder direkt auf Platz 1 eingestiegen, obwohl man feststellen muss, dass der seit „Bleibt alles anders“ stärkere Einsatz von elektronischen Effekten hier ausbleibt. Wollte man eine musikalische Weiterentwicklung erwarten, so wird man in dem Fall enttäuscht. Ganz im Gegensatz zum zweiten Stück „Kopf hoch, tanzen“, bei dem man das Gefühl hat, dass Grönemeyer durch seine Zusammenarbeit mit jungen Künstlern auf seinem Grönland-Label positiv beeinflusst wurde: moderner Deutschpop im NDW-Gewand. Mit „Du bist die“ liegt das von seiner Intensität her vermutlich musikalisch stärkste Stück der Platte vor, das sehr schön aufgebaut ist und sich dabei bis zum Schluss steigert. In ähnlicher Weise kann das sechste Stück „Leb in meiner Welt“ konkurrieren. Dazwischen liegt „Marlene“, ein ruhiges Stück, wiewohl die gesamte CD doch ruhig gehalten ist und insgesamt sehr nachdenklich klingt. Eine Ausnahme stellt sicherlich das fünfte Stück „Flüsternde Zeit“ mit seinem treibenden Rhythmus dar, das inhaltlich sehr politisch gehalten ist und Protestsong-mäßig rüberkommt. Mit dem siebten Song „Ich versteh“ liegt ein Midtempo-Stück vor. „Ohne Dich“ besticht durch den groovigen Bass in der Strophe und dem davon abgegrenzten Refrain. „Spur“, der neunte Titel, kann als weiteres Highlight angesehen werden, in dem noch einmal Gas gegeben wird, bevor die langsameren Stücke „Zieh Deinen Weg“, „Zur Nacht“ und „Liebe liegt nicht“ das Album beenden. Grönemeyer kommt teilweise pathetisch rüber, was sicherlich durch sein schon fast selbstkarikatureskes, aber zum Markenzeichen gewordenes „Grölen“ forciert wird. Eventuell erwarten die Fans dies sogar. Textlich hat man das Gefühl, dass hier und da mit alten Bildern in neuem Arrangement gearbeitet wird. Wertung 8/10.