Es gibt noch doch Überraschungen. „The Sweet Escape“ ist so eine. Das heißt aber auch, dass Fans von Gwen Stefanis erstem Soloalbum „Love.Angel.Music.Baby" auf dem falschen Fuß erwischt werden könnten. Das Album beginnt mit der ersten Single „Wind It Up“, und dort zeigt Gwen ihren Anspruch als Styleikone, indem sie auf einem Neptunes Beats jodelt. Durch den ruppigen Electrosound wirkt das Ganze sehr stilisiert und erinnert an Princess Superstar oder Fanny Pack. Nun geht es so aber nicht weiter. Denn der Titel des Albums sollte durchaus ernst genommen werden, ebenso wie das auffallend neue, irgendwie schwierig einzuordnende Styling von Gwen auf dem Cover. Es wird „sweet“. Und poppig. Irgendwie scheint die Frontfrau von No Doubt in der vorweihnachtlichen Zeit das Bedürfnis auf Kuscheln und Nähe zu haben. Das neue Album ist längst nicht mehr so styleprägend wie der Vorgänger „Love.Angel.Music.Baby", da es stärker im Mainstream fischt, und doch klingt es irgendwie sehr speziell. Einiges, wie die weiche Ballade „Early Winter“ mag zuerst verschrecken, anderes, wie der von Swizz Beatz produzierte HipHop-Banger „Now that you got it“, überrascht dann wieder durch seinen konträren Ansatz. Dieses Album hat viel: Kuschelstoff, Schrägheit und Discofantasien. Und das war in dieser Kombination von Gwen Stefani überhaupt nicht zu erwarten. Auch deshalb, weil ganze fünf Stücke aus dem Hause der Neptunes kommen und Pharell einmal selbst zum Mikrofon greift. Trotzdem klingt dieses Album nicht nach Neptunes, sondern eben nach der neuen Gwen Stefani. Keine Frage: Über „The Sweet Escape“ wird noch viel gestritten werden. Ändern tut dies jedoch nichts an der Tatsache, dass jeder der zwölf Songs Extraklasse hat. Wenn auch nicht die Klasse vieler alter Fans. Wertung 9/10.