„Wenn das Liebe ist“. Dieses einmalig schöne Lied, das bei seiner Veröffentlichung 2001 deutsche Soul-Geschichte schrieb, bewies, dass deutsche Liebeslieder nicht allein Terrain von Volksmusikanten oder Schlagerstars waren und wunderschön sein konnten. Dieses intensive, eindrucksvolle Genusserlebnis – erwirkt durch das perfekt arrangierte Zusammenwirken eines klugen Textes, einer Wahnsinnsstimme, fein auf diese abgestimmte Vocals und den passgenauen Einsatz des einzigen Instrumentes, eines Klaviers – bringen wohl die meisten automatisch mit Glashaus in Verbindung. Und so würden sicher auch die meisten von einem Glashaus-Best-of-Album (allerdings: nach nicht einmal sieben Jahren…?) ein „klassisches Gesamtkunstwerk“, das sich „einzigartig ästhetisch, schlichtweg schön, voll textlicher Tiefe und voll von visionärem Songwriting“, zeigt, ein „funkelnd-strahlendes Mosaik aus zeitlos schönen Songs und tiefer gehenden Stimmungen“ erwarten. Diesen Anspruch werden sie allerdings getrost vergessen müssen. Denn nichts von alledem werden die geneigten Zuhörer in den 20 Stücken finden. Aber vielleicht sollen die „80 Minuten Diskographie und über 2 Stunden Videographie“ (inklusive aller Videos, vieler Making-of’s und eines Videotagebuchs) in der „hochwertigen, mit Samt überzogenen Collectors-CD-Box“ ja darüber hinwegtrösten – frei nach dem Motto: lieber Masse statt Klasse… Zwar klingt Cassandra Steens Stimme immer noch so fragil-ergreifend wie in ihrem ersten großen Hit, und sind auch die Liedtexte zumeist intelligenterer Natur (wenngleich nicht immer nachvollziehbar), doch wurde in der Mehrheit der Nachfolgelieder das, hier die tiefgehende Atmosphäre schaffende, Klavier durch einen monotonen Nullachtfünfzehn-Kommerzhintergrund ersetzt. Im schlimmsten Fall (zer)stören unpassende HipHop-Elemente die sich gerade aufbauende, sanft-wütende Stimmung („Auferstehung“) oder die ausnahmsweise mal etwas schnellere Gangart („Der Herr ist groß“; „Land in Sicht“). Zudem wird der leidende Ton irgendwann unerträglich, der Zuhörer kann den Drang kaum noch beherrschen, die Sängerin(nen) ordentlich zu schütteln, um sie aus ihrem Jammertal herauszureißen. Das vorgestellte Album könnte genauso gut nach zehn Songs enden, weil es sich hier um einen Einheitsbrei handelt, dessen „frischer, unverbrauchter Atem gleich vier neuer, bislang unveröffentlichter Songs“ nicht lange durchhält. Gefälliger, aber einfallsloser Mainstream-R’n’B mit Gänsehautstimme für all jene, die Musik für ruhige Momente oder ohne große Überraschungen suchen. Wertung 6/10.