Eigentlich ein interessantes „Parallel“-Projekt, das die Lauscherlounge da auf die Beine gestellt hat, und das sich auch in der kleinen Anspielung im Titel wiederfindet: Die Sprecher der „Drei Fragezeichen“, Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw) und Andreas Fröhlich (Bob Andrews), lesen je eine Geschichte von Ambrose Pierce, Guy de Maupassant und Edgar Allan Poe. Allerdings liegt auch genau hier das Hauptproblem: Denn bis auf Andreas Fröhlich klingen die Sprecher einfach zu sehr nach ihren berühmtesten Rollen, insbesondere Rohrbeck, der mit dem ausgeprägten „r“ eines Justus Jonas trotz hervorragender Interpretation einfach nicht die entsprechenden Charaktere vorstellbar macht. Auch ist seine Stimme viel zu hell und jung für einen Geschichtenerzähler – ein Manko, das er mit Kollege Wawrczeck teilt. Da nutzen denn selbst dessen schöne französische Aussprache (die ja leider nicht selbstverständlich ist), der heimliche Protagonist Musik oder die grandiosen Soundeffekte – von verzerrten Stimmen über knarrende Türen bis zur Totenstille – nichts. Statt dessen hätte man besser zusätzliche SprecherInnen eingesetzt, um den Geschichten mehr Anschaulichkeit einzuhauchen. Geschichten, die sich für ein Hörbuch auch nicht unbedingt eignen, leben sie doch von ihrer textinhärenten Subtilität und einer feinen, langsam hochkriechenden Spannung, die sich nur dann einstellt, wenn mit zitternder Hand die raschelnden Seiten umgeschlagen werden und mit ausgetrockneter Kehle jedes einzelne Wort gierig-ängstlich, aber doch im eigenen Tempo, verschlungen wird. Beim Bügeln, Autofahren oder Putzen kann sich eine solche atmosphärische Dichte gar nicht aufbauen. Wer sich aber nicht ganz alleine durch Poes Gruselklassiker kämpfen will oder sich mit Maupassants Adjektivreichtum leserisch schwer tut, und sich nicht davon irritieren lässt, ständig Justus Jonas’ besserwisserisches Gesicht vor sich zu sehen, der kann an diesem erstklassig produzierten Hörbuch seine Freude haben. Wertung 6/10.