Diese Hörspiel-Produktion mit vier unbequemen Geschichten „über das Leben. Und das Überleben!“, dessen Altersempfehlung von 16 Jahren ernstgenommen werden sollte, ist eine beeindruckende Akustikorgie von manchmal schon schmerzhafter Intensität. Die, durch den gezielten Einsatz der Musik, verblüffend reale Soundeffekte (zum Beispiel Funkstörungen durch ein Handy, Fernsehgeräusche aus der Nachbarwohnung, typische Zahnarztgeräte, schockierende Überblendungen) und teils großartig besetzte SprecherInnen erzeugte Spannung löst zeitweise unangenehmes Kribbeln, ja, Beklommenheit aus und steht einem haarsträubenden Kinoschocker oder nervenzerrenden Meisterwerk der Literatur in nichts nach. Zwar fühlt man sich beim Zahnarzt, der von Thomas Karallus gesprochen wird, trotz dessen herausragender Schauspielerei zu sehr an Comedy-Star Doug Heffernan (King of Queens) erinnert, was das Verschmelzen mit dem neuen Charakter irritiert. Gleiches gilt für den Hausmeister, dessen Sprechrolle, ebenso wie bei Spencer Olchin (auch King of Queens), von Jens Wawrczeck übernommen wird. Diesen Eindruck haben die HörerInnen bei Patrick Bach, welcher den Fabian gibt, dagegen nicht, und auch die anderen SprecherInnen wie Katja Brügger, David Nathan, Wolfgang Kaven oder der brillante Franz-Josef Steffens tragen erheblich dazu bei, diesen Mangel, wenn auch nicht komplett, auszugleichen. Dazu jeweils eine moderne „Horrorgeschichte“, die gerne mal aufs Perfideste mit unseren (Ur-)Ängsten spielt, eine drastische, bildreiche, Erzählweise, ein überraschendes, zum Teil morbide-makaberes, Ende (wenn auch das der zweiten Geschichte relativ vorhersehbar ist), eine gute Prise Ironie und das Aufgreifen aktueller Gesellschaftsprobleme ergeben einen hochexplosiven Cocktail für alle, die sich gerne mal an der Realität gruseln wollen. Wertung 9/10.