Conor Oberst ist mit Sicherheit einer der größten und talentiertesten zeitgenössischen Singer-Songwriter, keine Frage. Jedes seiner vorherigen sechs Alben zeigte einmal mehr, warum ihm dieses Attribut überall und zu Recht zugeschrieben wird – musikalische wie lyrische Kleinode, von einer Intimität und einer Sensibilität geprägt, die man so nirgends anders finden konnte und mit der Conor Oberst zum Bob Dylan, zum Sprachrohr seiner Generation avancierte. „Cassadaga“ ist leider sein schlechtestes Album. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe, die bei der schrecklichen Produktion anfangen. Der wärmende und vertraute Lo-Fi-Schlafzimmer-Sound wurde endgültig entsorgt und gegen einen glatten, fast überproduziert klingenden Sound eingetauscht, welcher stellenweise (z.B. „Make A Plan To Love Me“) an Leonard Cohens kolossales Missverständnis mit Phil Spector, sein „Death Of A Ladies Man“ erinnert. Schade, machte dies doch, zusammen mit den introspektiven, nachdenklichen und poetischen Texten, eigentlich die große Stärke von Oberst und Bright Eyes aus. „Cassadaga“ ist jedoch ein lupenreines Country-Album und erinnert mehr an Neil Young als an Obersts frühere Lo-Fi-Folk Vergangenheit. Klar, diese Entwicklung war schon auf dem letzten Album „I´m Wide Awake, It´s Morning“ rauszuhören, in dieser Ausprägung überrascht sie jedoch sehr. Textlich konzentriert sich das Album wie sein Vorgänger und eigentlich alle anderen Bright Eyes Alben auch, auf eine Mischung von politischem mit persönlichem und privatem, der gesellschaftskritische Moment von „I´m Wide Awake, It´s Morning“ ist in dieser Offensichtlichkeit jedoch nicht mehr zu finden. Aber auch hier enttäuscht das Album auf ganzer Strecke, wie z.B. das in arg einfallslose linke Plattitüden zurückfallende „Clairaudiences (Kill Or Be Killed)“ zeigt. Man mag es kaum glauben, gute Songs sind auf „Cassadaga“ tatsächlich Mangelware, “If The Brakeman Turns My Way“ oder mit Abstrichen „I must belong Somewhere“ stellen die Ausnahme dar. Fast keiner hat es für möglich gehalten, jetzt ist es eingetreten: „Cassadaga“ ist Conor Obersts erstes richtiges scheiß Album. Wertung 5/10.