Big Boy – Hail The Big Boy
Mate in Germany / Soulfood VÖ: 06.07.2007
Wenn ein Künstler schon Wochen und Monate vor Veröffentlichung seines Debüts unglaublich gehypet wird, im Vorprogramm namhafter Bands tourt, 15.000 Myspace-Freunde hat und von sich behauptet, der „größte deutschsprachige Entertainer seit Marlene Dietrich und der unglaublichste Fake seit Milli Vanilli zu sein“, könnte man auf die Idee verfallen, dass an letzterer Aussage was dran ist – zumal, wenn der Refrain eines Songs es mit den Worten „You gotta fake it tll you make it“ auf den Punkt bringt. Auch die Fotos von Big Boy auf dem Cover und im Booklet wirken merkwürdig künstlich: Ein bisschen maskulin, weil es Rock ist, ein bisschen androgyn, weil es „in“ ist. Das Album beginnt mit einem Intro, das einem Monumentalfilm angemessen wäre, bevor Big Boy vor Hintergrunds-Kriegsgetümmel auf Französisch einen Tagebucheintrag vorliest: Freddie (Freddie Mercury?) sei ihm im Traum erschienen und habe ihm verkündet, er werde Rockstar. Dementsprechend geht es mit narzisstischer Selbstbeweihräucherung weiter: „Hail The Big Boy“ ist pures Eigenlob, der Refrain ist textlich dünn, aber melodisch-eingängig. Nach diesem Schema verfahren dann auch die meisten der folgenden Songs wie „Get Over It“, „One Good Reason“ oder „Sin-Sational“. Völlig aus dem Rahmen fällt lediglich die Ballade „Let The Dead Bury Their Own Dead“: Sanfte Klavierbegleitung und Atemgeräusche untermalen den Text, der sich mit Tod und Sterben auseinandersetzt. Leider wirkt das Stück auf diesem rockigen Album seltsam deplaziert. Interessant ist das temporeiche und recht düstere „Gestasi Baby“, insgesamt ist das Album trotz teils recht gekonnter Arrangements aber nur durchschnittlich und auch die Stimme von Big Boy ist weder besonders gut noch markant. Bleibt zu hoffen, dass alles ein gut geplanter Marketing-Gag ist. Wertung 4/10.