Zur Orientierung noch mal kurz stakkato-artig herunterbeten, was über diese Platte schon alles geschrieben wurde: wesentlich eingängiger als die drei Vorgänger, erstmals Majorlabel, großer Produzent, sattes Budget, zwölf Orchestermusiker, Verarbeitung des Todes der Mutter von Sänger und Songwriter Simon Neil... gefolgt von der Feststellung, daß trotz solcher Voraussetzung Scheiße gebraut werden kann, hier aber nicht geschehen ist. Wie auch schon geschrieben wurde, hat „Puzzle“ lauter „Hits“ bzw. mindestens sechs bis acht Songs mit Singlequalitäten.Diesen schönen musikjournalistischen Allgemeinplätzen ist nicht zu widersprechen. Es ist aber eindeutig zu betonen, daß hier im wesentlichen eine Platte vorliegt, die dezent mit Orchester- und Progrockelementen hantiert. Und gerade weil man nicht diesen Zwang der Progrockbands zu erliegen hat, sich in tausend Tempowechseln und epischen Songs zu ergehen, damit die Etikettierung stimmt, wirkt das natürlich und doch nicht langweilig. Nein, bei Biffy Clyro unterstützt die Opulenz nur da, wo sie ins Punkrock-, Pop- und Rockschema passt, z.B. beim fesselnden Intro vom Opener „Living is a problem because Everything dies“, um dieses Intro sofort mit eingängigstem Punkrock der früheren Lagwagon zu konterkarieren, um danach langsamer zu werden und zwei- oder mehrstimmige Moll-Refrains an uns heran zu tragen. Gewisse Kollegen würden jetzt den bedeutungsschwangeren Satz anschleppen, ob es Zufall ist, daß zwei der schönsten Platten des Jahres von Glasgowern sind, um ihre geographischen Kenntnisse zu demonstrieren, um dann gleich den Vergleich zu torpedieren, indem man feststellt, daß die Fratellis uns zu purem Hedonismus hinreißen, während „Puzzle“ eben auch aus genanntem Aspekt dieses tragische Element transportiert. Achja, bevor ich’s vergesse, „Machines“, der Closer von „Puzzle“ ist jener Track, der explizit Simon Neils Mutter gedenkt und zwar so wunderschön, daß man sich fast mit ins Grab legen wollte. Die anderen düsterenen Songs/Fragmente „2/15ths“, „4/15ths“ und „9/15ths“ wollen subjektiv nicht gefallen, es ist aber anzuerkennen, daß sie für den Gesamtkontext des Albums wichtig sind, somit gibt’s eine 1+, setzen! Wertung 10/10.