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Arcade Fire – Neon Bible
Universal / City Slang VÖ 02.03.2007

Ja, Arcade Fire haben damals wirklich eine große Welle losgetreten, waren sie doch die allerersten, die aus den Untiefen des Internets auf die mehr als begeisterte Musiköffentlichkeit stießen. Mittlerweile ist das ja zum Normalzustand geworden, jede zweite übermäßig gehypte Band kommt heutzutage aus dem Internet, die ganzen Arctic Monkeys und wie sie nicht alle heißen. Im Gegensatz zu vielen dieser musikalischen Eintagsfliegen fällt aber sofort ein großer (Qualitäts-)Unterschied auf, ein kurzlebiger Hype waren Arcade Fire mit Sicherheit nie. Und das ist das eigentlich besondere an der siebenköpfigen kanadischen Indiepop-Band: sie wird definitiv alle Hypes unbeschadet überstehen und wahrscheinlich selbst noch mit ihrem zehnten Album restlos begeistern. Angst vor dem so schwierigen zweiten Album war nach dem Erstling „Funeral“ von daher auch komplett Fehl am Platze, ganz im Gegenteil: man konnte sich sogar richtig darauf freuen. Nach nur ein paar Sekunden von „Neon Bible“ wird klar warum. Der anspruchsvolle, komplexe und multi-instrumentierte Indiepop der Band schafft es sofort zu vereinnahmen und in seinen Bann zu ziehen, mehr noch, „Neon Bible“ kommt einer Art emotionalen Katharsis gleich, am Ende des Albums fühlt man sich wie verwandelt, wie ein besserer, glücklicherer Mensch. Da ist zum Beispiel der stark sakrale Charakter des Albums, welcher gar nicht mal verwundert, wurde „Neon Bible“ doch in einer alten zum Studio umfunktionierten Kirche aufgenommen, da ist die fast-hysterische Stimme von Sänger Win Butler, die Orgeln, Chöre, Streicher und da ist die kluge Gesellschaftskritik des Albums. Song Titel tragen hier Namen wie „Antichrist Television Blues“ oder „No Cars Go“, so singt Butler „I don´t want to live in America no more […] MTV what have you done to me”. Und trotz aller Wut und Melancholie über die gegenwärtigen Zustände der nordamerikanischen Gesellschaft ist da immer noch diese bestechende Leichtigkeit. Es verwundert wenig, dass Arcade Fire in David Bowie und David Byrne ihre größten Fans haben. Ach, man könnte noch so viel schreiben. „Neon Bible“ schafft tatsächlich das, was viele andere Alben noch nicht einmal ansatzweise schaffen: Es fehlen einem einfach die Worte. Ein überaus großartiges Album. Und noch so viel mehr. Wertung 10/10.

Autor:
Daniel Holder


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