„White Velvet“ hat An Pierlé ihr drittes Album genannt, „Weißen Samt“, und es klingt fast wie höchst wandelbare Klangtropfen, die hauchweich auf den weißen Samt der Instrumente auftropfen. Oder wie Sternenmusik, passend zum Titel „Jupiter“, feenhaft wie in „Many Roads“, swinging bei „It’s Got To Be Me“, rockig für „Not the end“ oder harmonisch im Duett von „Closing Time“. Die Belgierin changiert zwischen den Genres, bietet „geschmackvolle Melodien im Stile eines Grover Washington Junior (“Good Year”) bis hin zu Blues und Rock in hinreißender Schräglage alles, was den Fan ungebürsteter Musik anmacht“. Sie verändert ihre Stimme je nach Lied, ergeht sich in zerbrechlichen, aber dramatischen Stimmbrüchen à la Kate Bush und bleibt trotz der kraftvollen Crescendi der Instrumente der Mittelpunkt, selbst wenn – oder gerade, weil? – sie fast verheißungsvoll in die sterbenden Töne hineinhaucht. Doch auch die Arrangements der, fast gänzlich ohne Elektrosound auskommenden, Instrumente alleine, die schon durch ihre Vielfalt beeindrucken, erweisen sich als würdiger Partner der Samtmeisterin. Allerdings macht die Experimentierfreude der Gruppe das Zuhören oft sehr anstrengend, zieht die Lieder in gefühlte unerträgliche Längen und verlangt den ZuhörerInnen viel Lust am Ungewohnten ab. Alles in allem zeigt sich „White Velvet“ als Platte für alle, die zumeist ruhige, aber durch den quirligen Hintergrund selten langweilige, Musik mit untypischen Texten schätzen. Wertung 6/10.