Air waren ja schon immer etwas anders als andere, gewöhnliche Pop Bands. Sie selbst bezeichnen sich ja schließlich nicht umsonst als "Modernisten". So auch mit ihrem neuen und erst vierten regulären Studio-Album, dem Nachfolger des bereits 2004 veröffentlichten "Talkie Walkie", "Pocket Symphony". Zitiert wird jedoch nicht viel von der musikalischen Vergangenheit, es geht stetig voran, in die Zukunft. Und wie Air sich diese vorstellen, wird recht schnell deutlich, denn konventionelle Popsongs finden sich auf "Pocket Symphony" eigentlich fast keine. Jean Benoit Dunckel und Nikolas Godin verstehen sich vielmehr als musikalische Minimalisten, der Popsong in seiner Gesamtheit wird hier in zwölf Versuchen dekonstruiert, zugunsten einzelner sich aneinanderreihender Sound-Collagen aufgeteilt und die Musik somit auf das nötigste reduziert; richtige Songstrukturen findet man hier ebenfalls wenige. Stattdessen wird ein Soundtrack-artiger Stil kultiviert – wunderschöne warme Melodien, eine verzauberte Atmosphäre, viele instrumentale Parts, ein leichter Gesang, der hin und wieder eingeworfen wird, wie auch ein dezenter fernöstlicher Einfluss, dank der Instrumentierung mit Koto und Shamisen. In der Regel merkt man gar nicht, wann ein Song anfängt und der andere wieder aufhört, die Songs gehen organisch und ohne große Widerstände ineinander über – was als großes Kompliment verstanden werden muss und überaus viel zur Gesamtstimmung des Albums beiträgt. Eine große Überraschung: Jarvis Cocker hat die Lyrics zu einem der Songs geschrieben, "One Hell of a Party", den der Ex-Pulp Frontmann auch selber singt – mit Abstand einer der stärksten Momente des Albums, Cockers traurig-zynische Texte gepaart mit dem Airschen Minimalismus, eine Konstellation, die so fast eine gewisse Bedrohlichkeit entwickelt. Mit "Pocket Symphony" ist Air einmal mehr ein überaus großartiges Album gelungen. Wertung 8/10.