Dass sich 2raumwohnung mir ihrem neuen Album nicht neu erfinden würden, war schon vorher klar. Also haben Inga Humpe und Tommi Eckart alles auf die richtige Thematik gesetzt: Auf „36 Grad“ dreht sich alles, das deutet der Titel schon an, um Hitze, Sommer und Gefühle. Entsprechend positiv ist das Album auch ausgerichtet. Schon der Opener, gleichzeitig Single, „Besser gehts nicht“ macht dies deutlich. Verträumt, sommerlich und sorgenlos geht es weiter: „Mir kann nichts passieren“. Und der Titeltrack „36 Grad“ ist dann die absolute Glorifizierung des Sommers. Kleine, feine Melodien sorgen für die nötige Eingängigkeit und den Charme der Songs. Allerdings überrascht es, dass tanzbare Beats auf dem neuen Album der 2raumwohnung deutlich im Hintergrund stehen. Dagegen geht es besinnlich zu: Auf „Der Sommer der jetzt nicht war“ herrscht völlige Windstille. Auch „Ich bin der Regen“ kann das Album nicht aus dem Konzept bringen. Einem schönen Sommertag schadet eben auch ein kleiner Regenschauer nicht. Dem Regen folgt allerdings ein Klimawechsel. Endlich werden 2raumwohnung mit „Nimm sie“ wieder clubbiger und spritziger. Dabei bleibt es auch erstmal und bei „Ja“ stehen die treibenden Beats im Vordergrund. Jetzt zählt die Musik und Worte werden unwichtig, deshalb heißt der nächste Song auch nur „La la la“ und bei „Du bewegst dich richtig“ geht es auf R’n’B-Sounds dem Höhepunkt entgegen. Der Ausklang erfolgt sogleich mit „Seid eins“. Zum Schluss wird es allerdings nochmals komplizierter, denn „Eins zwei drei – tschiu“ wird durch seine Textlastigkeit zur Kopfarbeit, „Lotus“ fällt mit Akustikgitarre sowieso aus dem Rahmen und der Schnee auf „Bleib doch bis es schneit“ beendet das Album endgültig. Genau so sinnlich wie es begonnen hat. Das neue 2raumwohnung Werk „36 Grad“ ist überraschend poppig, harmonisch und ausgeglichen. Sommergefühle statt Discofeeling. Intelligent aber ohne Bums. Wertung 8/10.