Ein Urlaub in Polen Album ist etwas Besonderes. Das ist auch beim dritten Mal nicht anders. „Health & Welfare“ heißt der neue Erguss von Philipp Janzen und Georg Brenner, die auch mit ihren anderen Bands Von Spar und Ken für Begeisterung sorgen. „Wanderlust“ treibt das Duo an: freudig stampfende Beats, eingängiger Rhythmus, rauchiger Gesang und ein aufpreschender Hook. Ein wenig elektronisches Gefrickel darf bei diesem 5-Minuten-Start in das Album auch nicht fehlen, ansonsten lassen Urlaub in Polen den Song Song sein. Doch schon direkt danach wird der Sound bei „Beatrice“ verschachtelter, der elektronische Anteil nimmt zu und die Struktur ab. Schemenhaft zeichnen Janzen und Brenner ihre Vision, ohne dabei an Ausdrucksstärke vermissen zu lassen. Es wird gerockt. Je weiter „Health & Welfare“ fortschreitet, desto weniger lässt sich das Album einordnen. Dominieren anfangs noch Indie und Noise, so weitet sich der Stilmix und die Experimentierfreude aus. Sphärischer Gitarrendruck auf „D.T.W.I.L.“, das sich unbekümmert entwickelnde, dreiteilige „A Case Of Getting From A To B“ („B To C“ und „C To D“) mit wildem Ende oder ein bisschen Swing auf „La gallina“, es mangelt dem dritten Werk von Urlaub in Polen weder an Ideen noch an Abwechslung. Dazu ist es fast überraschend gut konsumierbar. Die Band zieht ihre Linie durch, ohne zu sehr abzudriften und sich in Untiefen zu verlieren, gleichzeitig aber auch ohne zu berechenbar zu klingen. Manchen dürfte das nicht weit genug gehen, manchen dürften Urlaub in Polen hier zu viel Song bieten. Doch die Stärke dieses Werks kann niemand bestreiten. Wertung 9/10.