Über einige Dinge wundert sich keiner beim neuen The Mars Volta Album, dem dritten. Zum Beispiel darüber, dass es nur acht Songs enthält. Die Band von Texter Cedric Bixler-Zavala und Musikkopf Omar Alfredo Rodriguez-Lopez, die 2001 aus der Asche der legendären At the Drive-In entstand, bringt es trotzdem auf 76 Minuten Spielzeit. Diesmal aber ohne narrativen Faden, wie sie selbst sagen. Das Werk sei eine Mischung aus Rod Sterlings „Night Gallery“-Serie und David Lynchs „Twin Peaks“, also abgetrennten Episoden und scheinbar unzusammenhängenden Plot-Verläufen. Doch sprechen wir erstmal über das, was sofort zu hören ist. „Amputechture“ ist nicht mehr so laut, nicht mehr so radikal, nicht mehr so Hardcore wie noch die Vorgänger „De-Loused In The Comatorium“ und „Frances The Mute“. Seiner Gestaltung mit acht Kapiteln entsprechend, klingt das neue Werk episch, getragen, langsam und wie gemalt. Künstlerisch ist hier wirklich der richtige Ausdruck. Gibt es beim Opener „Vicarious“ noch jazzige Töne zu hören, folgen mit „Tetragrammaton“ bald detailverliebte Gitarrenläufe. In seinen 16 Minuten bricht dieser Song auch immer mal wieder nach vorne durch, um dann wieder in Lethargie zu verfallen. Später bei „Meccamputechture“ wird der Sound erstmals wirrer und Cedric Bixler-Zavalas Gesangseinlagen bissiger. Von den Salsa-Einflüssen den letzten Alben ist nur noch wenig hören, lediglich „Asilos Magdalena“ ist entsprechend gefärbt. Die nächsten beiden Songs verwöhnen alteingehörte Fans dann wieder mit vertrackt-sperrigem Gitarrenspiel, bevor die Scheibe mit „El Ciervo Vulvnerado“ so schließt, wie sie begonnen hat. Übrigens: Red Hot Chili Peppers Gitarrist John Frusciante steuerte wieder einiges zu den Aufnahmen bei. Und auch sonst waren einige neue Musiker hinter den Kulissen aktiv. An „Amputechture“ werden sich sicherlich die Geister scheiden, schon weil das dritte Mars Volta Release noch mehr Konzentration und Hingabe verlangt, gleichzeitig aber wenig offen dargebotene Emotionalität zurückgibt. Wer dieses Album wie ein Bild auf sich wirken lässt, wird begeistert sein. Wertung 9/10.