Sehr viel Zeit sollte man sich für das neue Sometree Album „bending the willow“ nehmen. Nicht nur ist es ein sehr introvertiertes Album, dessen ganze Qualität sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt, vielmehr strahlt es eine sehr besondere Art von schwermütiger Wärme aus, deren Zauber ebenfalls erst nach mehreren Hörgängen einsetzt. Wie schon auf dem letzten Album bemerkbar, entfernen sich die vier Neu-Berliner immer mehr von dem anfänglich starken Sunny Day Real Estate Einfluss und ihrem prägnanten Wechselspiel zwischen ruhigen Passagen und aggressiven, ungestümen Wutausbrüchen. Stattdessen entwickeln Sometree hier einen sehr eigenständig klingenden, komplexen, dichten und sphärischen Indiesound, durchsetzt mit Samples, Synthesizern, Pianos und Bläsern. Jeder der neun Songs klingt zwar irgendwie zurückhaltend und fragil, andererseits aber auch aggressiv und verzweifelt – wie ein Vulkan der nicht ausbrechen will, brodelt es hier subtil unter der Oberfläche. Beeindruckend, dass die Band es mühelos schafft diese Spannung das ganze Album hinweg zu halten. Erinnern tut das an die amerikanischen Appleseed Cast, im nationalen Vergleich kann man Sometree aber mit reinem Gewissen als konkurrenzlos bezeichnen. Und live ist die Band sowieso unschlagbar. Wertung 7/10.