Das sind sie wieder, Schweisser, einst mal eine der interessantesten Rockbands Deutschlands, mit Alben wie „Eisenkopf“ und „Willkommen im Club“ waren sie stilprägend. Im Jahr 2000 erschien dann „Bitte Warten“, und damit verschreckten und verscheuchten sie die meisten ihrer Fans: aus hartem Rock war Gitarrenpop geworden. Es dauerte nicht mehr lang, und Schweisser waren Geschichte. Jetzt die Wiederauferstehung mit neuer Besetzung, Martin Messerschmid am Schlagzeug, Thomas Böck am Gesang und Fabian Exter an der Gitarre. Und direkt das Aufatmen, es geht wieder hart zur Sache. Trotzdem ist nichts so wie früher. Der Opener „Gelbkarierte Sakkos“ verwundert mit einem eingestreuten Saxophonsolo, „Verlegt und Verloren“ mit experimentell-anmutenden Gitarrensolis. Danach wird gesungen, „Wenn das Wasser aufwärts fließt, Und der Hase Jäger schießt, Wenn die Sonne nicht aufgeht, Die Ziffer Sechs zur Neun verdreht“ heißt es auf „Helden“. Das ist keine einfache Kost, wenn Prosa-Ausflüge auf harte Gitarren folgen. Diese Linie zieht sich auch durch das gesamte Album fort, irgendwie hängen Schweisser zwischen Vergangenheit und neuer deutscher Popmusik aka Wir sind Helden. Schade dass sich dabei der nötige Druck oft nicht entwickelt, weil der Sound zu trocken, holprig und ungeschliffen klingt. Und überhaupt, das ist hier ein wilder Potpourri verschiedener Stile und Einflüsse, der sich über 11 Songs zieht und nie einpendelt. Interessant ist das ja, was die Band hier macht, aber es nichts für die alten Schweisser Fans. Ein Neuanfang unter neuem Bandnamen wäre konsequent gewesen. Wertung 6/10.