„Eine Verbindung von klassischer Literatur und Musik, die nicht nur unterstützenden Charakter hat, sondern die Stimmungen und Gefühle transportiert“, soll dieses Projektalbum laut Produzententrio sein. Weder Hörbuch noch reine Musik-CD, sondern sprachlich-musikalisches Arrangement der bekanntesten Szenen aus Shakespeares Meisterwerk. Und es soll die größte Liebesgeschichte aller Zeiten heutigen Hörern zugänglich machen. Dieses ehrgeizige Unterfangen muss aber als gescheitert angesehen werden. Denn die „Verliebt in Berlin"-Darsteller Manuel Cortez und Lara-Isabelle Rentinck als Romeo und Julia lassen kein echtes Lauscherlebnis aufkommen. Dies wird besonders deutlich im Vergleich mit den ausgebildeten Stimmen der drei Hollywood-Synchronsprecher, die den Erzähler, Lorenzo und Tybalt mimen. Vor allem Rentinck läßt mit ihrem bühnenfernen Sprachduktus mehr an eine Soap Opera denken als an ein berauschendes Theaterstück. Auch die, zwar oft gefühlvolle, aber mehr für eine Sarah Connor als ein historisches Liebesepos typische, Musik, stört eher, als dass sie mitreißt in das Geschehen. Schade auch, dass sie ausschließlich in Verbindung mit den Sprachstücken aufgenommen wurde. Anders als der 1996 gedrehte Hollywood-Film, der den schwierigen Spagat zwischen Klassik und Moderne so spielerisch schafft, wirkt diese Aneinanderreihung von Versatzstücken mehr pseudo als hochwertig - eben ein Schmankerl für treue „Verliebt in Berlin“-Fans. Schließlich gibt es auf einer separaten CD ja auch das Alternativ-Ende, in dem Rokko seine Lisa bekommt. Wertung 4/10.