Sonne, Cocktails, leicht bekleidete Menschen und gute Musik: In der wärmsten Jahreszeit brauchen wir zum Atmen nur gute Laune. Und Ragga ist die Sommermusik schlechthin. Das wissen Seeed. Das weiß Gentleman. Und das wissen auch die Jungs von Raggabund. Dennoch bewegen sich Anfänger in diesem Gebiet grundsätzlich auf dünnem Eis: Der Vergleich mit den beiden soeben genannten Musik-Größen Seeed und Gentleman naht schnell, und dem standzuhalten, fällt nicht jedem leicht. Zuviele sind an dieser Aufgabe schon gescheitert – man erinnere sich noch dunkel an Mellow Marks Aufruf „Revolution“, der jedoch bald verstummte. Nun traut sich ein neuer Act: Raggabund heißt die Vier-Mann-Kombo aus München. Mit einem wunderschönen Liebeslied als erste Single präsentieren sich die beiden Brüder und Raggabund-Aushängeschilder Caramellow und El Criminal von ihrer weichen Seite und stellen eindrucksvoll unter Beweis, dass lateinamerikanischer Romantik noch immer nichts so schnell das Wasser reichen kann. „Babygirl“ ist eine Latin-Reggaeton-Version, die zum Einen nicht nur den lyrischen Inhalt des Songs perfekt repräsentiert, sondern zum Anderen auch den tanzbaren Groove der Nummer perfekt zur Geltung bringt.
Soweit, so gut. Das Album „Erste Welt“ setzt sich allein durch den Namen hohe Ziele: Wie der Titel der Platte andeutet, steht das Leben in eben jener vom Konsum und Medienoverkill dominierten und aus den Angeln gehobene Welt im Zentrum der Texte und wird hierbei kritisch, mal zynisch, mal kompromisslos entlarvend, in jedem Fall aber stets wortgewaltig und treffsicher auf den Punkt gebracht. Manchem Raggamuffin wird die Scheibe jedoch leider bitter aufstoßen – die Lyrics sind an vielen Stellen zu politisch und weltklug, als dass man zu den Tracks ausgelassen bouncen könnte. Doch wer auf intelligente Texte steht, ist mit Raggabund gut beraten. Und beattechnisch ist die Platte eine tanzbare Sommerbegleitung. Wertung 7/10.