Nirvana – Story und Songs kompakt(Buch)
Bosworth Music VÖ: 04.07.2006
Das von Marie Mainzer ins Deutsche übersetzte Buch „Nirvana – Story und Songs kompakt“ von Mark Paytress schildert äußerst genau das Aufstreben und die Blütezeit einer Band, deren jähes Ende von Anfang an vorgezeichnet war. Es ist unverkennbar, dass Paytress eine Art Insider-Position in der Beziehung zu Nirvana einnimmt. Seiner kompakten Schilderung kommt jedoch auch die letztendlich kurze Bandgeschichte entgegen. Ausgehend von Vergleichen zum Status eines Elvis Presley zu dessen Zeit oder dem immer wieder kehrenden Vergleich mit der seinerzeit subversiven Sprengkraft der Beatles rückt er Nirvana bewusst in die Position einer Vorreiterrolle, die sie für eine gesamte Generation eingenommen haben. Dabei wird vor allem auch das Milieu, wie etwa Hintergründe der familiären Situation in Cobains Elternhaus, als auch die musikalische Landschaft, in die Nirvana hineinwuchs, mit einbezogen. Man erfährt von der seit frühester Jugend bestandenen, symbiotischen Freundschaft Cobains zum Bassisten Krist Novoselic, von den musikalischen Einflüssen der Melvins, denen er ab 1984 u. a. als Roadie ständiger Begleiter war. Schon 1986/87 startete er dann mit eigenen Bands und im Januar 1988 wurde das erste Nirvana-Demo aufgenommen. Zeitgleich wird man über die Ortswechsel der Band von Aberdeen (in den USA) über Olympia nach Seattle und allem was dort passierte informiert. Das Buch orientiert sich in erster Linie an den offiziellen Alben bevor es zu Nirvana-Samplern, Raritäten, Interview-CDs und Videos/DVDs übergeht. Die in dieser Reihenfolge gegliederten Kapitel schließen jeweils mit Erläuterungen (hauptsächlich zu den chronologisch darauf befindlichen Songs) ab und erzählen entsprechend dazu gehörige Anekdoten. Sehr schön sind auch die zwischendurch eingefügten mehrseitigen Farbfotos der Band, die den Habitus der Band in eigentümlicher Weise illustrieren. Manche Infos sind schon erstaunlich, wie etwa die offenbar starke Nähe Nirvanas zu den Wurzeln der amerikanischen Musik der 60er und 70er Jahre. In diesem Zusammenhang beeindruckt auch die Zusammenarbeit mit William Burroughs, der Ikone der Beat-Generation, der 1993 mit Nirvana den mehr oder weniger gesprochenen Song „The priest they called him“ aufnahm und der damals schon prophezeite als er die Texte Cobains las, dass er die Texte eines Toten vor Augen hatte.
Nicht zuletzt werden sämtliche Querelen abseits der Musik beschrieben, vom Label-Wechsel bis hin zur Hochzeit Cobains mit Courtney Love, die ständiger Anfeindungen angesichts Ihres Lebensstils ausgesetzt waren, bzw. die bitteren Kämpfe nach Cobains Tod um dessen durch Courtney Love verwaltetes Erbe, mit dem positiven Ende, dass der von Nirvana gemeinsam als letzter im Februar 1994 aufgenommene Song „You know, you’re right“ schließlich doch 2002 posthum veröffentlicht wurde. Schließlich werden noch die weiteren Lebensstationen der übrig gebliebenen Mitglieder Dave Grohl und Krist Novoselic nach der Nirvana-Ära abgehandelt. Insgesamt wird doch sehr detailliert berichtet, so dass der Laie oftmals Schwierigkeiten hat, die einzelnen Infos systematisieren zu können. Gerade im Hinblick auf Beziehungsverhältnisse (Manager, Musikerfreunde, Tontechniker, Produzenten) könnte ein Schaubild hier weiterhelfen. Das Buch ist in erster Linie etwas für Nirvana-Fans oder auch Grunge- bzw. Rockgeschichtsinteressierte, die einfach das Thema Nirvana noch einmal bis ins kleinste Detail in sich aufsaugen wollen. Wertung 8/10.