Aus seiner Feder stammt der weltweit erfolgreichste Megahit des letzten Frühlings „Let Me Love You“ von R&B-Popper Mario. Er schrieb Hits für Mary J. Blige, Faith Evans und B2K. Und trotzdem kennt niemand seinen Namen. „Der Himmel hat eine Melodie genommen, gab ihr eine Seele und einen Auftrag, setzte sie auf die Erde und nannte sie Ne-Yo“, steht auf der Rückseite seines Debüt-Albums „In My Own Words“. Ne-Yo heißt es also, das neue Wunderkind des amerikanischen Neosouls. Seine Single „So Sick“ läuft täglich zigmal auf den Radiostationen, im Alltag hört man immer mehr Handys mit diesem Klingelton ringen. Ob der Handyklingelton-Wahn ein würdiger Parameter für die Qualität eines Songs ist, sei mal dahingestellt, aber fest steht, dass Ne-Yo, der bürgerlich Shaffer C. Smith heißt, zur Zeit stimmlich und textlich jeden von seinem Talent überzeugt. Der 22-jährige setzt an sich selbst hohe Ansprüche: „Ich will mit meinen Texten die Seele der Leute erreichen.“ Und das gelingt ihm mit „In My Own Words“ definitiv! Jedes Mal bevor fiese Kritiker sich eines neuen männlichen Soul-Talents annehmen, vergleichen sie es mit Usher. So auch mit Ne-Yo. Doch schnell werden Skeptiker begreifen, dass der Stil, den Ne-Yo auf „In My Own Words“ präsentiert, so gar nicht Ushers entspricht. Ne-Yo setzt weniger auf schnelle Bootie-Shakers, sondern viel mehr auf sensible Slow Jams. Seine Stimme erinnert an den brillianten Motown-Soul aus den 70er Jahren. Gern vergleicht man sie mit der von Marvin Gaye oder Stevie Wonder in deren jungen Jahren. Thematisch geht es auf „In My Own Words“ um die Themen Liebe und Beziehungen – Songs für Lovers also. Verpackt wird der lyrische Stoff in zwölf von Jay-Zs Rocafella-Crew professionell produzierte Songs. Wem die sanften Töne der ersten Singleauskopplung „So Sick“ gefallen, liebt die anderen Albumtracks mit Sicherheit. Denn neben diesen gefühlvollen Balladen gibt es nur zwei schnellere Nummern („Sing Me Up“, „Stay“). Beide machen Spaß und gehen „from the speakers into your sneakers“. „Minor“, „Sexy Girl“ und auch der Endtrack „Time“ sind schöne R&B-Stücke, die alle eine klassische Melodie haben und von Ne-Yos angenehmer Stimme getragen werden. „Time“ ist ein wunderschöner Pianosong und „Get Down Liek That“ eine beeindruckende Soul-Hymne, die auf einem Sample des O’Jays-Klassikers „I Swear I Love No One But You“ basiert. Auch der Rest auf „In My Own Words“ kann sich sehen lassen. Leider bleibt Ne-Yo seinem Stil sehr penibel treu. Dadurch ist die Platte dem Einen oder Anderen eventuell zu eintönig. Wertung 8/10.