Es wird viel gestritten in HipHop-Deutschland. Und wieder kann gestritten werden, denn Mnemonic macht vielen den Titel als bester Nachwuchs-Rapper streitig. Dabei ist noch gar nicht so viel über den Mannheimer bekannt. Zuletzt macht er zusammen mit Fiva & Radrum auf der EP „Rücken an Rücken“ von sich Reden. Jetzt erscheint das Debütalbum des Rappers mit dem wissenschaftlichen Namen (Mnemonic bezeichnet die Regeln und Tricks, wie Eselsbrücken, die das Erinnerungsvermögen unterstützen). Entstanden ist ein nachdenkliches, selbstreflexives und dunkles Werk, auf dem Mnemonic über die Zukunft, Freunde und Gesellschaft rappt. Der Inhalt steht dabei auch über der Performance, durch nichts lässt sich der Mannheimer aus der Ruhe bringen, doch manchmal wäre etwas mehr Biss und Rhythmus wünschenswert. Das aggressive und dynamische Intro „2ter Versuch“ verspricht da noch anderes. „Ich bin kein Schauspieler“ sagt Mnemonic auf „Kannst Du mich fühlen?“, und eine Show darf bei diesem Album wirklich nicht erwartet werden. Die Beats sind mit Samples reich bestückt, oft mit klassischer Musik angereichert, manchmal aber auch exotisch klingend. Produziert haben Brisk Fingaz, Shuko, CSP und DJ Crates, die 13 Tracks klingen insgesamt sehr homogen, Ausreißer gibt es nicht. Dementsprechend fällt es auch schwer, hier einen Track herauszustellen. Leider heißt das aber auch, dass dem Album ein richtiger Banger fehlt. Features gibt es auch nur wenige, Dek the Raw und Lunafrow auf „Schieflage“ und Donato auf „Kommen & Gehen“. Wer sich vor allem treiben lassen, die Zeit anhalten will, wird darüber glücklich sein, dass „Zeitlos“ so unspektakulär in Szene gesetzt ist. Ich erhoffe mir für das nächste Mnemonic Album jedoch etwas mehr „Spannung“. Wertung 6/10.