Dank seines musikalischen Backgrounds in New York City – er ist eng befreundet mit den Rappern aus dem Wu-Tang-Milieu – bringt der neue Stern am US-Rap-Himmel Joe Young mit dem sechzehn Track starken Longplayer „Cash & Grams“ den typisch dreckigen Eastcoast-Straßensound nach Deutschland. Das Album beschönigt nichts, benötigt keinen Bling-Bling- oder Jiggy-Sound, sondern schenkt dem Zuhörer das Feeling, man hätte diese Platte direkt auf den Straßen des Rotten Apple gekauft. Der gebürtige US-Amerikaner lebt momentan in Deutschland: Sein Vater ist als Soldat der US Army hier stationiert. Joe Young sieht in der deutschen Rapszene großes Potential für internationalen Erfolg und fühlt sich dementsprechend dazu berufen, der German Audience seinen Lifestyle und seine Vorstellungen von Hip Hop, wie er ihn in N.Y. kennengelernt hat, näherzubringen. Bewusst knüpft das Album an den Sound der 90ies an: Hier wird definitiv der Rapstyle aus der Glanzzeit des legendären Wu-Tang Clans gelebt, was auch Grund dafür ist, dass zwei hochkarätige Members der Gruppe gefeatured sind: Inspectah Deck und Cappadonna. Die erste Singleauskopplung „I Don’t Wanna Go Back“ handelt von Alltagsfrust, dem ewigen Geldproblem und der Angst, sozial abzurutschen, und repräsentiert somit perfekt das gesamte Album. Hier kann man keine weichgespülten Inhalte erwarten. Joe Young beschreibt die Welt, wie er sie erlebt hat, lässt dabei aber Platz für Gefühle und Kritik. Zusammen mit Produzent Reme setzt Joe Young starke Akzente auf klare Beats und Gesangs-Samplings. Die Scheibe ist mal smooth und gospellastig, mal rough und straight, und definitiv immer real. Flowtechnisch ist Joe Young on point, allerdings darf man nicht allzu viel Abwechselung erwarten. Remes Beats sind nach kurzem Reinhören berechenbar und teilweise nah an Pop-Schmerzgrenze. Jedoch wirkt das Album konzeptioniert , so dass hier genau diese relaxed-soulige Sample-Stimmung von Anfang an gewollt war. Joe Young kreiert mit seinem Debüt kein erzwungenes Gangsta-Image und überzeugt durch ehrliche Rhymes und ausdrucksstarke Beats. Das macht „Cash & Grams“ zu einem Überraschungshit. Anspieltipp: „Hood Hero“ – Joe Young rappt hier im fünften Gang und mit viel Energie über einen Beat, der an Kitsch kaum mehr zu überbieten ist. Wertung 8/10.