Ebenso überraschend wie Jay-Z seinen Rücktritt vom aktiven HipHop-Geschäft erklärt hatte, liefert er mit „Kingdom Come“ jetzt doch ein neues Album ab. Lange hat es der Def Jam CEO nicht ohne das Rappen ausgehalten. Nur drei Jahre nach dem vermeintlichen Abschiedsalbum „The Black Album“ hat er jetzt ein weiteres Werk nachgeschoben, und in der Zwischenzeit auch Stoff zusammen mit R.Kelly und Linkin Park veröffentlicht. Was hat sich Shawn Carter also für das wohl meist erwartete HipHop-Album dieses Jahres vorgenommen? „Kingdome Come“ greift eher den Stil von „The Blueprint 2“ wieder auf, als dass es eine Fortsetzung von „The Black Album“ wäre. Die Produktion der 14 Songs ist aufgeblasen und bis zum äußersten ausgereizt. Geradliniger Rapshit ist das keinesfalls, sondern mit Samples aufgeladenes, vielschichtiges und verschachteltes Songwriting, bei dem die Beats nicht im Vordergrund stehen. Das ist überraschenderweise hier völlig unabhängig von den einzelnen Produzenten der Fall. Ob das von Just Blaze (der sich für mehrere Nummern verantwortlich zeigte) produzierte „Oh My God“, „Do U Wanna Ride“ mit John Legend und von Kanye West, die Dr. Dre (ebenfalls mehrfach dabei) Nummer „30 Something“ oder das von The Neptunes getunte „Anything“ mit der Killermischung Usher & Pharell: Dieses Album klingt nicht nur unvergleichlich, sondern es ist auch unvergleichlich mit einem typischen HipHop-Album. In erster Linie bedeutet das, dass Jay-Z seinen Hörern einiges abverlangt. „Kingdome Come“ ist kein Album, das von der ersten Sekunde an geliebt und gefeiert wird, schon alleine deshalb, weil es kein eingängiges „Hard Knock Life“ gibt. Für dieses Hitpotenzial sorgen übrigens auch die Features wie Chris Martin (Coldplay), Beyoncé, Ne-Yo oder Chrisette Michele nicht. Entgegen anderslautender Ankündigungen sind Eminem und Mary J. Blidge nicht mit von der Partie. Jay-Z wird sich freuen, er ist mit seinem 15. Album (inklusive Sondereditionen) in eine neue Dimension vorgedrungen. Und er hat dabei ohne Zweifel neue Maßstäbe gesetzt. Die Frage ist nur, ob ihm die Rapfans dabei folgen werden. Wertung 8/10.