Unweigerlich sieht man seltsam, aber doch wohltuend riechende Nebelschwaden vor dem geistigen Auge an sich vorüberziehen, wenn die ersten orientalischen Klänge der bezeichnenderweise sich „Indian tea company“ nennenden Band ertönen. Der Kenner glaubt eine Sitar zu hören, muss sich aber beim Blick ins Booklet darüber belehren lassen, dass der zugleich als Sänger der Gruppe auftretende Frontmann Guido Goh eine 23-saitige Sarod spielt, die er natürlich bei einem längeren Aufenthalt in Indien von einem Guru zu spielen erlernt hat. Viele Songs wirken psychodelisch, die allerdings stets vorm Abdriften ins allzu Meditative von kraftvollen Pop- und Rockrhythmen in die Wirklichkeit zurückgeholt werden. So kommt es auf der nun bereits dritten CD-Veröffentlichung des Hamburger Trios, die mit dem Titel Aravinda nach einem indischen Philosophen benannt ist, zu einer ungekannten Mischung aus indischer Folklore, Rock-Elementen und hymnischem Pop, was sich auch auf die dadurch entstehende Harmonie außergewöhnlich auswirkt. Teilweise kann man sich nicht dem Eindruck erwehren, sich, gerade wegen der markanten Orgel des Keyboarders und Organisten Simon Roessler, an ein mit modernen Effekten modifiziertes Klangbild der Doors erinnert zu fühlen. Es ist offensichtlich, dass sich die Band, die ursprünglich aus einem schon vor der Jahrtausendwende bestehenden Sextett hervorgegangen ist, durch ihre zahlreichen Live-Auftritte in Clubs einen Namen gemacht hat. So sind sie u. a. schon mit so unterschiedlichen Künstlern wie Nina Hagen, Manfred Mann, Fury in the slaughterhouse und Faithless aufgetreten. Einen Eindruck ihrer Live-Präsenz bekommt man durch die der CD beiliegenden DVD, die u. a. neben Impressionen vor und nach dem Auftritt in einem Hamburger Club auch Interviews der drei Band-Mitglieder zu ihrer musikalischen Entwicklung enthält (hier sei komplettierend noch der Schlagzeuger Stephan Krause erwähnt), geliefert. Das Video vermittelt dabei vor allem durch eine unmittelbare räumliche Nähe die Verbundenheit mit dem Publikum, besticht andererseits aber auch im Hinblick auf eventuelle Showeinlagen durch puritanische Schlichtheit. Man vermisst im visuellen Bereich etwas den Charakter des Indischen. Als kleines Bonbon ist dem CD/DVD-Package noch ein eigens für die Band von einem Hamburger Teehändler kreierter Edel-Tee beigefügt, so dass der Zuhörer auch im gustatorischen Sinne etwas geliefert bekommt. Nun, da nahezu alle Sinne befriedigt sind, kann man gelassen dem Nirvana entgegensehen. Wertung 8/10.