Er stampft weiter und nur ein Jahr nach der „Neuen Deutsche Welle“ versucht Fler sich einen guten Posten im HipHop-Geschäft zu sichern. Dabei kann das zweite große Pferd im Stall von Aggro Berlin auf die Produktionen von DJ Desue zurückgreifen, auf dessen Konto fast alle der 19 Tracks gehen. Gewaltige, basslastige Beats, das ist auch auf dem neuen Album das Salz in der Suppe. War beim letzten Album allerdings die Empörung noch groß und wurde Fler Nationalismus vorgeworfen, so wird der Fokus diesmal wo anders liegen, nicht nur wegen der WM, da jetzt fast jeder Fahnen schwenkt. Also schauen wir auf die Inhalte, und hier widmet sich Fler überraschend oft dem Alltag auf Berliner Straßen, ob auf „Die Schule brennt“, „Ich bleib wie ich bin“ oder „Meine Homies“. Dazu kommen nachdenkliche Tracks wie „Ich Scheine“ und „Vatermorgana“. Klar wirklich tief greifen die Texte nie, aber Fler geht eben auch auf Konfrontationskurs und strebt nicht an gesellschaftliche Diskurse loszutreten. Trotzdem wird Fler „seinem“ bzw. dem Image als Rüpel-Rapper nur teilweise gerecht, da sein neues Album thematisch breit gefächerter ist. Seinem Rap-Flow tut das gut, das er nicht mehr nur wild rumbrüllt. Etwas enttäuschend sind vielleicht die Features, G-Hot, Sido, Tony D, B-Tight oder Bass Sultan Hengzt, das ist Standard, für Überraschung sorgt nur das Feature von Muhabbet „Cüs Junge“. Die Straßen werden dieses Album lieben. So oder so. Auch wenn Fler hier nicht mehr ganz so den krassen Typen markiert, das hat er schon hinter sich. Fürs nächste Mal wird das aber nicht reichen. Wertung 8/10.