Viele Ruhrpott-Kämpfer haben nicht überlebt, und ausgerechnet mit Ercandize hätte viele nicht gerechnet. Der Neuanfang in Berlin war für den früheren ABS-Rapper auch nicht einfach, ab nach und nach scheint er sich festzubeißen, und das Soloalbum „Verbrannte Erde“ scheint durch nichts mehr aufzuhalten zu sein. Bevor es soweit ist gibt es jetzt erstmal ein Street-Album, das mit Material so richtig vollgepackt ist. Auch an Features hat Ercandize auf den 22 Tracks nicht gespart, dabei sind einige bekannte Namen wie Kool Savas und Cassandra Stehen. Interessant ist der Track „Pott Dogz“ mit seinem ehemaligen ABS-Partner Short, und Laki von Creutzfeld & Jakob, den er ebenfalls noch aus den alten Zeiten kennt. Auch an Ruhrpottrap erinnert der dunkle, selbstreflexive Song „Ghetto im Kopf“ mit Mnemonic und Sera Finale. Ercandize türkische Ursprünge werden auf Nummern wie „Hoslandlm“ und „Vazgecmem“ deutlich. Die Beats stammen unter anderem von Discopolo, Rooq und Hossam & Kenny. Das stilistische und thematische Spektrum ist weit aufgefächert, von Party, harter Battle, düster, bis ein bisschen funky ist alles dabei. Zwar kann Ercandize mit seinen Rapskills nicht mit der obersten Liga mithalten, das gleicht er aber mit inhaltlicher Tiefe aus. Alle Daumen hoch also für „La Haine – Sie nannten ihn Mücke“! Etwas Ruhrpottstyle bereichert auch Berlin und zum Glück hat Ercandize seine Wurzeln nicht vergessen. Wertung 8/10.