Aus der wohl mittlerweile etablierten Buchreihe „Story und Songs kompakt“ des Bosworth-Verlages liegt nun das von Marie Mainzer ins Deutsche übersetzte Werk von Peter Doggett zu Eminem vor. Wie mir bereits zu meiner Rezension des Nirvana-Buches aus der gleichen Reihe aufgefallen war, strotzt auch dieses nur so von Insider-Wissen. Das macht es einem „einfachen“ Fan ziemlich schwer, Beziehungen unter den namentlich genannten Akteuren bzw. aus der gesamten Rapszene nachzuvollziehen. Ein hierzu sich formierendes Gesamtbild entsteht erst im Laufe des letzten Viertels des Buches. Auch szenetypische Fachbegriffe werden vorausgesetzt, obwohl man sagen muss, dass der Autor allgemein sich zumindest auch in anderen Bereichen des Musikjargons auskennt.
Persönliche Dinge über Eminem etwa vor seiner Zeit, als er die musikalische Bühne betritt, erfährt man nicht, dafür ist das Buch durchzogen von den immer wieder abfälligen, aversionsartigen Hetztiraden, die Eminem einerseits in der Öffentlichkeit, andererseits in seinen Texten musikalisch seiner Mutter, seiner ehemaligen Frau Kim und den feindlichen Hip-Hop-Clans gegenüber abfeuert. Die Art und Weise, in denen er kein Blatt vor den Mund nimmt, hat in Bezug auf seine Mutter und seine Ex-Frau schon fast verbal-inzestuöse Züge. Immerhin erfährt man aber etwas über seine Anfänge im Business, beginnend ab Anfang/ spätestens Mitte der 90er Jahre, als er sich nach seinem Geburtsnamen Marshall Mathers noch M & M nannte, was er jedoch zugunsten einer zu erwartenden Klage des gleichnamigen Süßwarenherstellers in Eminem umwandelte. In seinen Reimen ist durchaus erkennbar, dass er schon früh seine Fähigkeit entdeckte, dass „Wort als Waffe“ intelligent einzusetzen. In sofern mag es nicht verwunderlich sein, dass seine Freestyle-Skills schon fast berühmt berüchtigt sind. Die leider, aber dennoch üblicherweise immer im Original zitierten Textausschnitte geben davon Kenntnis. „Leider“ in der Hinsicht, weil zu oft Wortspiele, Interna oder Slangbegriffe darin enthalten sind, die es dem Leser schwer machen, die mit den Zitaten belegten Zusammenhänge nachzuvollziehen. Alles in allem ist der Strang, der in dem Buch chronologisch anhand der Musikalben Eminems und der dazwischengeschobenen Gemeinschaftsprodukte mit seiner Gang D12 (Dirty Dozen) beibehalten wird, ein Zeitzeugnis, das ähnlich in seiner Biographie „Angry Blonde“ oder gar dem Kinofilm „8 Mile“ nachzulesen bzw. zu sehen ist. Im Zentrum stehen wie gesagt seine Anfeindungen auch der Presse, dort vor allem der Zeitschrift „The source“ gegenüber und die damit einhergehenden Vorwürfe ihm gegenüber, sexistisch, frauenfeindlich, homophob und rassistisch zu sein. All diese Themen sind natürlich der Stoff, der ihn antreibt, Musik zu machen und immerhin hat er damit den Grammy und sogar den Oscar für „Lose yourself“ gewonnen. Aber angesichts dieses letzteren Titels fragt man sich auch, wie lange Eminem, der nun mittlerweile auch mit Medikamentensucht zu kämpfen hat, sich noch auf der Bühne bewegen wird, zumal er sich selbst schon oft in der Hinsicht geäußert hat, kein Eminem-Album mehr zu bringen, sondern sich mehr der Produktion anderer Künstler auf seinem Shady records Label zu widmen, was ihm ja mit 50 cent gelungen zu sein scheint.
Schließlich, was auch noch erwähnt sein sollte, erfährt man noch einiges über die Unmengen an Remixes und überhaupt den Underground, wie Platten im Hip-Hop entstehen. Über Underground-Netzwerke durch Radiostationen und dortige Liveperformances und immer wieder veränderter Variationen. Es ist unter diesem Gesichtspunkt gesehen auch schon eine fast aussichtslose Arbeit, sämtliche Veröffentlichungen in einem Buch unter einen Hut zu kriegen, so dass dies Peter Doggett zwar gelungen sein mag in diesem Rahmen, aber diese Undurchsichtigkeit an Remixen wiederum zu Schwierigkeiten beim Lesen führt. Wertung 7/10.