Sind das hier die neuen Kante? Diese Frage ist zumindest bis zum Ende des ersten Songs berechtigt. Bevor man aber etwas enttäuscht das Interesse verliert, sollte man einfach weiterhören. Denn spätestens nach dem zweiten Song wird klar, dass die Kante Referenz nur bedingt brauchbar ist und man stattdessen konstatieren muss, dass einen mit Delbo und deren Album „Havarien“ eine der aufregendsten und eigenständigsten deutschsprachigen Indiepopbands erwartet. Zwar ist der Einfluss von Kante und anderen Bands wie Blumfeld oder Karate nicht ganz zu leugnen, doch ist „Havarien“ viel mehr als nur das. Gerade die längeren instrumentellen Passagen, die häufig ins jazzige und noisige abdriften, erzeugen mit ihren unkonventionellen und komplexen Songstrukturen eine ganz eigene Spannung, die nicht nur vollends einnehmend wirkt, sondern „Havarien“ ebenfalls eine sehr intime Qualität verleiht. Besonders intensiv ist das in dem Höhepunkt des Albums, „Saldo“ rauszuhören. Die abstrakten und kryptischen Texte passen ebenfalls sehr gut in den musikalischen Gesamtkontext, wirken manchmal aber etwas zu elitär. Das kann den sehr guten Eindruck von „Havarien“ allerdings auch nicht mehr trüben. Wertung 8/10.