Auf ein neues Album der Deftones musste lange gewartet werden. Und das ist gut so, bestand doch nicht Gefahr, dass sich die Band aus Sacramento den Credit bei ihren Fans verspielt. Dies hätte nach den starken Alben „Adrenaline“ und „Around the Fur“ durchaus passieren können, als der Drittling „White Poney“ etwas mau daherkam. Die Deftones haben das Richtige getan und erstmal abgeschaltet, anstatt neues Material zu relasen, das nur weitere Hörer verprellt hätte. Drei Jahre vergingen bis zum selbstbetitelten vierten Album und nochmals drei bis „Saturday Night Wrist“. Chino Moreno und seine Mannen haben genug Kraft getankt, um sich auf die alten Stärken zu besinnen: Dreckiger, erdiger Drive, blanke Emotionalität, ungefilterte Energie und dunkel-dröhnende Gitarren. Obwohl die Deftones diesmal auf Produzent Terry Date verzichteten, klingen sie überraschend stark nach ihren Anfängen. Ruhige, ausgeglichene und melancholisch verträumte Stücke wie „U, U, D, D, L, R, L, R, A, B, Select, Start“ sind die Ausnahme, auf den meisten der 12 Songs fahren die Deftones ein hartes Brett, ohne dabei zu roher Gewalt zu neigen. Trotzdem belassen es die Mitbegründer des New Metals nicht bei Standards, sondern experimentieren wie auf „Pink Cellphone“ mit elektronischen Elementen. Insgesamt ist so ein höchst abwechslungsreiches Album entstanden, bei dem kaum ein Song wie der andere klingt. „Saturday Night Wrist“ verbindet Intensivität mit intelligentem Rock in einer Form, wie das kaum eine andere Band schafft. Um die Zukunft der Deftones müssen wir uns keine Sorgen machen. Wertung 9/10.