Bob Dylan hat ja schon immer gerne Menschen verwirrt und in die Irre geführt. Genauso wie mit seinem neuen Album, denn das ist alles andere als was sein Titel „Modern Times“ suggeriert. Ein Ted Croner Foto auf dem Cover aus dem Jahre 1947 und zehn Songs, die am liebsten in den Zwanzigern und Dreißigern des 20. Jahrhunderts entstanden wären – das soll modern sein? Aber wir haben es hier ja schließlich mit Bob Dylan zu tun. Musikalisch knüpft „Modern Times“, Dylans mittlerweile 44. Studioalbum und wie die letzten beiden, ebenfalls eingespielt mit seiner Tourband, nahtlos da an, wo sein Vorgänger „Love and Theft“ vor fünf Jahren aufgehört hat. Eigentlich könnte „Modern Times“ sogar als ein zweiter Teil oder als Fortsetzung gelten, denn musikalisch ähneln sich beiden Alben immens, viel Blues, einige folkig-klingende Balladen und immer Dylans Gesang, die wohl unverkennbarste Stimme der Rockmusik, die auch nach 40 Jahren Arbeit immer noch zu Höchstform auflaufen kann. Die zehn Songtitel hören sich zum Teil seltsam archaisch an – „Thunder On The Mountain“, „When The Deal Goes Down“ oder „Spirit On The Water”, beweisen aber einmal mehr, dass Dylan immer noch zu den besten Songwritern überhaupt zählt. Das herrlich entspannt klingende „Thunder On The Mountain“ mit seinem lyrischen Witz, oder das eindringliche „When The Deal Goes Down“, eine der schönsten Balladen Dylans überhaupt – an Bob Dylan führt einfach kein Weg vorbei. Wertung 8/10.