Sind Blumfeld jetzt unter die Botaniker gegangen? Nicht nur der Titel ihres neuen Albums, „Verbotene Früchte“ lässt diese Vermutung zu. Auch Texte und Metaphorik sind hier stark „grünlich“ gefärbt, „Goldwolfsmilch und Alpenveilchen/Hagelschauer nur ein Weilchen/Hyazinthen und Vergissmeinnicht“ wie es beispielsweise in „April“ heißt. Wer weiß, vielleicht haben die vier Herren um Mastermind Jochen Distelmeyer in den drei Jahren seit Erscheinen ihres letzten Albums, „Jenseits von Jedem“, die Zeit dazu genutzt, einen Schrebergarten zu kultivieren? Trotzdem sind Blumfeld aber ganz die alten geblieben, denn hinter dieser grünen Fassade liegt immer noch der Drang, mit einem großen Schuss Ironie wohlgemerkt, die Banalität und Sinnlosigkeit des Alltags zu erforschen. Schlager machen die vier Hamburger ja schließlich nicht. Songs wie „Der Apfelmann“ lösen mit ihrer vordergründigen Absurdität erstmal ein Kopfschütteln aus und es dauert ein paar Durchläufe bis man die Poesie hinter Textzeilen wie, „Er kommt mit seinen Früchten/Und gibt uns neue Kraft/Den Sauren und den Süßen/Und seinem Apfelsaft“ erschließen kann. Sobald man dies geschafft hat, gewinnt das Album und Songs wie „Tiere um uns“, das beispielsweise die Entfremdung der Menschen von ihrer Umwelt kritisiert, an immenser gesellschaftskritischer Relevanz, „Ich red´ von Tieren wie sie jeder kennt/Sie leben um uns, doch sie sind uns fremd“. Absolutes Highlight von „Verbotene Früchte“ und eines der besten Blumfeld Lieder überhaupt aber ist, „Strobohobo“, das mit seiner immensen poetischen Aggressivität und Kraft in der deutschen Poplandschaft seinesgleichen sucht und in der Distelmeyer als wild gewordener Master of Ceremony zu einem schonungslosen Rundumschlag gegen jegliche Missstände ausholt – definitiv schon jetzt ein Klassiker. Blumfeld untermauern mit „Verbotene Früchte“ in beeindruckender Manier ihre exponierte Ausnahmestellung im deutschen Pop. Viel bessere Alben werden 2006 in Deutschland nicht mehr erscheinen. Wertung 8/10.