Es ist kein alltäglicher Sound, der uns auf dem Album von 78plus entgegenströmt. 78plus, das ist ein Künstlerkollektiv um den in Wien lebenden Maler und Photograph Otto Jekel, auf Basis dessen Schellackplattensammlung die Tracks auch entstehen. Wir beginnen eine Reise in die Weimarer Republik, Rauschen, Knacksen, volles Leben. Dazu Cello und Kontrabass. Lediglich die Texte wollen nicht so recht in diese Stimmung passen, hinaus jubilierter Sprechgesang, ein Spagat zwischen Moderne, Experimentalismus und Entfremdung. Irgendwie ist damit der Bogen ins erste Drittel des letzten Jahrhunderts gar nicht so schwer zu spannen, andererseits ist klanglich doch ein großer Graben zu entdecken. Dazu kommt, dass immer wieder elektronische Exkurse auf den 13 Titeln vorzufinden sind, 78plus haben hier keinesfalls ein seichtes Unterhaltungs-Album geschaffen, sondern eines das fordert und auch immer wieder mit harten Electro-Beats wachrüttelt. Dieser Mix ist sehr eigenwillig und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, zumindest aber ist er einzigartig. Wer die Verbindung von Weimarer Republik, Wien und aufgedrehten Texten nicht scheut, dürfte von 78plus und ihrem ersten Album „Im Denkturm“ fasziniert werden. Wertung 7/10.