Tommy Lee ist derzeit ein viel beschäftigter Mann. Nach erfolgreicher Reunion ist er nun wieder mit seiner alten Band Mötley Crüe unterwegs. Mit „Tommyland: The Ride“ legt der Drummer aktuell zudem sein drittes Soloalbum vor. Und das ist eine faustdicke Überraschung, so viel ist sicher. Wer ordentlichen Hard Rock im Stile Mötley Crües erwartet hat, wird bereits beim Opener „Good Times“ erstaunt den Gang zum Ohrenarzt erwägen. Stammt das wirklich von Tommy Lee? Denn dieser Song ist ein reinrassiger Alternative-Track, radiokompatibel und seicht. Eine Tendenz, die sich auf dem Album fortsetzt. Mit verschiedenen Gastmusikern arbeitet Lee zusammen, unter anderem mit Chad Kroeger (Nickelback), Joel Madden (Good Charlotte) oder Nick Carter (Backstreet Boys, nein kein Witz!!). Und eines beweist der Drummer: Er kann all diesen Musikern einen Song auf den Leib schneidern. Der gemeinsame Track mit Kroeger klingt hundertprozentig nach Nickelbach, ebenso wie der mit Madden ein erstklassiges Good Charlotte-Lied ist. Okay, aber das ist doch Lees Soloalbum! Wo bleibt da die Homogenität der Songs? Sicher, die Lieder sind alle nicht schlecht und tun niemand weh. Gewaltig stört aber, dass alle Tracks bis zum Erbrechen auf Radiokompatibilität getrimmt sind und deshalb eindeutig zu viel Kommerz atmen. Innovation und Eigenständigkeit klingen anders. Und wer mal wieder richtig guten Alternative Rock hören will, der kann auch gleich die Originale wie Nickelback, Good Charlotte oder 3 Doors Down, die Lee pausenlos zitiert, in den Player schmeißen. „Tommyland: The Ride“ ist letztlich eine Enttäuschung. Von einem Mötley Crüe-Drummer darf man wahrlich mehr erwarten!! Wertung 3/10.