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The Rolling Stones - A bigger bang
EMI / Virgin VÖ: 05.09.2005

Mit Ihrer neuen CD „A bigger bang“ werden die Stones die Geschichte der Rockmusik sicherlich nicht neu schreiben, aber das brauchen sie auch nicht, da sie es längst getan haben. Vielmehr fügt ihr neuer Beitrag ein weiteres Kapitel an ihre musikalische Autobiographie an. Angesichts 16 völlig neuer Studio-Tracks, von denen zwei Songs übrigens von Keith Richards gesungen werden, ist dies der umfangreichste Longplayer der Stones seit „Exile on Mainstreet“ aus dem Jahre 1972. Was darf man diesmal erwarten?

Dämonisch wirkt ihr Konterfei auf dem Cover unter dem hellen Schein des „bigger bang“ oder ist es nicht eher das Leuchten einer Glaskugel, um die herum sie andächtig sitzen und fast wie Hellseher oder Wahrsager getrost ihrer Zukunft ins Auge schauen. Denn, hört man sich die Stücke an, so kann man feststellen, dass ihre Musik nichts an Kraft eingebüßt hat.

Wehklagende Harp-Sounds und jaulende Slide-Gitarren gestützt von einfachen und doch einprägsamen Begleit-Riffs und einem spartanischen Drum-Sound. Mick Jagger hört sich wie eh und je betont, leicht überakzentuiert an und lässt nichts an Stärke in seiner Stimme vermissen, so dass es verwunderlich erscheint, dass die letzte komplette Studio-CD „Bridges to Babylon“ nun schon 8 Jahre alt ist. Seitdem hat die Kohl-Regierung „abgedankt“, der 11. September mit seinem Terrorismus die Welt erschüttert und ist Papst Johannes Paul II. von uns gegangen, während Mick Jagger sowohl zwei weitere Kinder in die Welt gesetzt hat und sich scheiden ließ.

All dies hat die Band überlebt. Sie hat ihren Sound konserviert; das mag man als Stillstand betrachten und verurteilen wollen, man kann es aber auch als Beweis für das Aufrechterhalten ihrer Jugendlichkeit (räusper!) ansehen. Wer möchte sich nicht in harten Zeiten wie diesen an etwas festhalten können, dessen Treue man sich sicher sein kann. Bitteschön, wer diesen Tönen lauscht, wird näheres über die Ursprünge und somit über das Geheimnis unserer heutigen modernen Musik erfahren. Die Stones rühren an den Wurzeln und lassen wiederum ihre eigenen erkennen, die bei Muddy Waters oder Chuck Berry liegen.

Waren es früher Sex- und Drogenskandale so ist es heute der eher biedere Vorwurf, sich politisch zu weit aus dem Fenster zu lehnen, wenn sie in „Sweet Neocon“ den amtierenden US-Präsidenten schelten, was zwar vehement geleugnet wird, allerdings bei genauerem Hinsehen in den Textzeilen „Where's the money gone, in the Pentagon“ auf der Hand liegt. Also, das Rebellentum lebt doch noch irgendwie fort und das Unternehmen Rolling Stones wird, solange seine einzelnen Mitglieder noch leben, keine Gelegenheit auslassen ihrem Denkmal noch einen weiteren Stein anzufügen und so werden die Steine, ja man könnte fast sagen Monolithen, weiterrollen und uns noch oft „die Zunge“ rausstrecken. Man darf auf das 50-jährige Bühnenjubiläum im Jahre 2012 gespannt sein. Wertung 7/10.

Autor:
Frank Findeiß

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