Stephen Malkmus ist schon etwas verrückt. Das hat er bereits mit seinen beiden letzten Solo-Alben und in der Funktion als Sänger/ Gitarrist/ Songwriter von Pavement gezeigt. „Face The Truth“ kann nunmehr als der dritte Ausdruck dieser Gemütslage gewertet werden, den Malkmus in seinen Post-Pavement Tagen veröffentlicht. Eigentlich sollte nicht von „Solo-Album“ gesprochen werden, denn als musikalische Mitstreiter/-innen hat Malkmus „The Jicks“, die er etwas sehr eigenwillig als, „J from Jagger plus Mick minus M“ definiert. Diese Definition sagt vielleicht schon etwas über das musikalische Spektrum von „Face The Truth“ aus, denn das Album demonstriert einmal mehr die gesamte musikalische Spannweite des Indierock-Songwriters. Dieser tritt auf „Face The Truth“ facettenreich auf: noisig, folkig-verschlossen, countryesk-entspannt, bluesig und mal schlicht rock´n´rollig - nichts fehlt. Musikalisch ist alles erlaubt und kaum etwas verboten: der Einsatz von Drumcomputern, der Gebrauch von Kiss-Zitaten, türkische Folklore und zur Abwechslung ein bisschen Americana. Man hat den Eindruck, Malkmus wolle sich an der gesamten amerikanischen Musikgeschichte abarbeiten. Das schafft er sogar recht erfolgreich. Trotz des riesigen musikalischen Spektrums legt Malkmus ein homogenes Werk vor, das trotz seiner offensichtlich dissonanten und disharmonischen Seite, es schafft, immer wieder aus diesen Songstrukturen auszubrechen und mit einem bemerkenswerten Feingefühl für Melodien überrascht. Nur vereinzelt hat man das Gefühl, dass Malkmus versucht, zu viele Einflüsse gleichzeitig zu verarbeiten und an deren Komplexität scheitert. Wertung 7/10.