Zu drei Grammys kam Carolyn Leonhart, New Yorker Sängerin des sonst Schweizer Trios Lyn Leon, schon, das war allerdings in den 90ern, als sie Backup-Sängerin der Band Steely Dan war. Es folgte im Jahr 2000 ihr erstes eigenes Album „Steal the Moon“, das sie mit dem Pianisten Rob Bargad einspielte. Der Jazz wurde ihr schon in die Wiege gelegt, ist sie doch die Tochter des Bassisten Jay Leonhart, der vor allem in den 60ern und 70ern aktiv war. Seit fast zehn Jahren arbeitet Carolyn Leonhart jetzt schon mit Matthias Eser und Stephan Diethelm unter dem Namen Lyn Leon zusammen, „Private Pop“ ist ihre dritte CD. Es ist ein überraschend dunkles und sanftes Album geworden, die Songs sind nur durch wenige Strukturen begrenzt, vereinzelt finden sich verspielte Arrangements, der Rest wird durch einen dichten Ambient-Sound geprägt. Die 50 Minuten sind meist bewegungslos und leise, ja, fast gleicht das Werk einem Stillleben. Über allem schwebt die betörende, aber zurückhaltende Stimme von Carolyn Leonhart, die stets Geborgenheit vermittelt. „Private Pop“ liegt irgendwo an der Grenze zwischen Electronic und Jazz, die Einflüsse verschmelzen hier zu einem dichten Klangteppich und lassen sich nur selten wirklich orten. Schwierig ist es einem derart stark stilisierten Album über 50 Minuten zu folgen, Lyn Leon machen nicht die Musik, der man gebannt folgt, es ist die Musik, bei der man Körper und Seele baumeln lässt, sich zurücklehnt, entspannt. Insofern sollte man bei „Private Pop“ kein Alltagsalbum erwarten. Wer sich auf ein sehr privates Werk gefasst macht wird mit Lyn Leon sicherlich die eine oder andere wundervolle Stunde verbringen. Wertung 7/10.